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Transylvanian Jazz
Nicolas Simion über seine Musik und sein neues Album

Inspiriert von der großen alten Tradition rumänischer Volksmusik erweitert der Komponist und Saxofonist Nicolas Simion mit „Transylvanian Jazz“ seine umfang- und facettenreiche Diskografie. Das mit Unterstützung des Rumänischen Kulturinstituts (ICR) verwirklichte Projekt gibt nicht zuletzt aufgrund der traditionellen Instrumentierung einmal mehr den Blick auf die musikalischen Wurzeln dieses Ausnahmemusikers frei.

Zu Österreich hat Nicolas Simion ein besonderes Verhältnis, immerhin lebte der Komponist und Saxofonist fast zehn Jahre in Wien. Genau so lange befindet sich mittlerweile sein Lebensmittelpunkt in Köln. Es war im Jahr 1989, als sich der Musiker aus Dumbravita, einem kleinen Dorf in den Karpaten Siebenbürgens, zur Emigration in den Westen entschloss. Damals hatte er schon eine fundierte musikalische Ausbildung vorzuweisen, unter anderem ein klassisches Studium an der Musikakademie Bukarest. „Zu diesem Zeitpunkt war ich fast 30 Jahre alt und ich wusste ungefähr, was ich in meinem Leben wollte, aber ich wusste nicht, wie ich es realisieren sollte“, so Simion. Die Liebe zur improvisierten Musik hatte ihn schon in seiner Heimat gepackt. Gemeinsam mit dem Pianisten Mircea Tiberian und dem Saxofonisten Dan Mandrila hatte er eine der erfolgreichsten Jazzformationen Rumäniens gegründet. Die Band wurde auch gerne zu Jazzfestivals etwa nach Ost-Berlin oder Warschau eingeladen.

In Wien traf Simion auf heimische und internationale Jazzgrößen wie Art Farmer, Leo Wright, Idris Muhammad, Harry Sokal und Christian Muthspiel, mit dem er seine erste Plattenaufnahme im Westen machte. Eine von vielen nachhaltigen Begegnungen sollte jene mit dem 1992 verstorbenen Saxofonisten Jim Pepper werden. Auf Initiative des Pianisten und langjährigen Weggefährten Jim Peppers, Mal Waldron, konnte Nicolas Simion auf der „Jim Pepper Memorial Tour“ den Saxofonpart übernehmen. Aus der Kooperation mit Waldron entwickelte sich schließlich eine kongeniale Duo-Partnerschaft, ein Zeugnis davon ist das herausragende Live-Album „The Big Rochade“ (Tutu Records, 1999). „Es gab zwischen uns eine fast perfekte Alchemie, ein einzigartiges Interplay“, so Simion über seinen 2002 verstorbenen Partner. Weitere wichtige musikalische Wegbegleiter waren Tomasz Stanko, Graham Haynes, Lonnie Plaxico oder etwa Ed Schuller.

Genregrenzen scheinen für Nicolas Simion nicht zu existieren. Sein umfassendes musikalisches Verständnis wird bei näherer Betrachtung der vielfältigen Projekte evident. So machte Simion auch als Komponist zeitgenössischer Musik auf sich aufmerksam. 1995 wurde er für ein Auftragswerk des österreichischen Kulturministeriums mit dem Körnerpreis ausgezeichnet. Ein Brückenschlag zwischen klassischer Musik und Jazz gelingt unter anderem in der Zusammenarbeit mit dem deutschen Pianisten Florian Weber.
„Mit jedem Projekt komme ich einem idealen Weg näher, Sounds und Klänge miteinander zu verschmelzen, einen Crossover zu wagen, über den man sagen könnte: „Es klingt frisch und originell… es klingt wie gute Musik!“ Nach mehr als 25 Jahren des Spielens und Schreibens von Musik in vielen Richtungen, des Mixens von Volksmusiken und modernem Jazz mit all den anderen Musikstilen sieht sich Nicolas Simion immer noch „in der Mitte des Entwicklungsprozesses“.

Welchen Stellenwert die Volksmusik, aber auch die klassische Musik seiner Heimat bei ihm einnimmt zeigt nicht zuletzt ein Blick auf seine Diskografie. Nach Alben wie „Transylvanian Dance“, „Back to the Roots“, „Balkan Jazz“, „Romanian Dance“ oder „Transylvanian Grooves“ hielt Nicolas Simion „Transylvanian Jazz“ für den geeigneten Titel für seine neue CD. Obgleich Bezeichnungen wie „Ethno Jazz“, „Folk Jazz“ oder „Balkan Jazz“ auf seine Musik zutreffen mögen, Simion sind solche Kategorisierungen nicht wichtig, für ihn ist es „einfach Musik!“ Im aktuellen Album geht es vor allem darum, die Stimmung der transsilvanischen und rumänischen Volksmusik einzufangen. „Meine Inspiration zu dieser Platte kam durch mein Leben, durch Kinder, Leute, Geburtstage und Hochzeiten, Feiern in der Dorfkneipe oder dem Bärentanz - als Kind war ich fasziniert, wenn Leute mit einem Bären in unser Dorf kamen und auf dem Dorfplatz den Bären zum Tanzen brachten, dabei eine kleine Trommel spielten und für ihn sangen. Auch Landschaften, Wälder, das Meer, einfach alles ist ein Teil des kleinen Universums, nenn es Dorf, Städtchen, Stadt, Land oder Planet“, schwärmt Simion.

Die richtigen Musiker zu finden und mit verschiedenen Instrumenten zu experimentieren hält der Protagonist immer für ein Abenteuer. Für sein neues Album konnte Simion folgende Musiker gewinnen: Zoltan Lantos (Violine), Martin Lubenov (Akkordeon), Giani Lincan (Cymbalon), Sorin Romanescu (Gitarre), Martin Gjankonovski (Kontrabass) und Boris Petrov (Schlagzeug). Nicolas Simion selbst spielt Sopran- und Tenorsaxofon, Klarinette und Bassklarinette sowie Caval, eine pentatonisch gestimmte rumänische Hirtenflöte. „Dies ist das erste Projekt, zu dem ich mehr Musiker eingeladen habe, die Folkinstrumente spielen als konventionelle Instrumente. Jeder von ihnen ist ein großartiger Spieler und eine große Persönlichkeit. So war es leicht für mich, für jedes Stück die beste Zusammensetzung auswählen, um einen farbenreichen Gruppensound zu bekommen,“ so der Bandleader und schildert die Charakteristik der Stücke: „Diese Songs haben einiges gemeinsam: Skalen, Rhythmen, Akkordwechsel, Melodien, Atmosphären. Und sie klingen organisch, wie ein Bild oder eine Landschaft mit all ihren Details und Kontrasten.“

Die zwölf Stücke auf „Transylvanian Jazz“ stammen - mit einer Ausnahme, dem Violinklassiker im Höllentempo „Hora Staccato“ des rumänischen Geigers Grigoras Dinicu - aus der Feder von Nicolas Simion. Die wiegenliedähnliche Melodie von „Lullaby For Pinx“ basiert auf einer Komposition von George Enescu. Das Stück „Colind“ entstand in Anlehnung an ein traditionelles transsilvanisches Weihnachtslied, welches seinerzeit von Bela Bartok transkribiert wurde. Was Nicolas Simion an diesem Lied fasziniert ist sein - trotz seiner Einfachheit - so starker Charakter. Der Originaltext beschreibt das Hirtenleben in der Natur zwischen Berg und Tal. Hier setzt Simion dann auch die Hirtenflöte Caval ein. Das Album schließt mit dem eindrucksvollen Hackbrett-Solo „Three Leaved Flower“, welches ebenfalls auf einem traditionellen Thema basiert.

Das Resümee des Künstlers: „Indem wir die Musik einfach und simpel gehalten haben und der Stimmung eines jeden Songs gefolgt sind, werden Geist und Seele der Musik lebendig. Das war immer meine Idee - eine zeitlose Musik zu machen.“ Und dass Nicolas Simion das gelungen ist, davon kann sich nun jeder selbst überzeugen.

Jörg Weitlaner


CD-Tipps:
Nicolas Simion Group „Transylvanian Jazz“ (ICR - 7dreams, 2009)
Nicolas Simion Quartet (feat. Michael Cain, Lonnie Plaxico) „Jeu des Garçons“ (7dreams, 2009)
Nicolas Simion Group (feat. Tomasz Stanko, Nils Wogram) „Unfinished Square“ (7dreams, 2009)
Nicolas Simion, Florian Weber Duo „Romanian Dance“ (7dreams, 2007)

DVD-Tipp:
Nicolas Simion Group (feat. Piotr Wojtasik) „Transylvanian Grooves“, live at Jazz Festival Viersen 2006 (7dreams, 2007)

Concerto, October/November 2009, Austria
Nicolas Simion Quartet "Balkanella", Bunker Ulmenwall, Bielefeld
It is more the character and the energy of these different musical worlds - the folk music of Romania and the tradition of modern jazz - which mix and blend almost inevitably in Nicolas Simion's music. He takes turns and changes which are immediately reflected in the faces of his listeners. ... It has been a long time since so many faces in the "Bunker" audience were last seen to be so touched, amazed and delighted.

Eckhart Schönau, Neue Westfälische, February 2001
CD "Nick at Night"
"Nick at Night" shows that Nicolas Simion, without any doubt, ranks amongst the most innovative saxophonists not only within Europe. Nicolas Simion, Andy McKee, b, and Billy Kilson, dr, create a coherent image of what makes the essence of Simion's music. Of course Nicolas includes the roots of his native Romania, but it would be wrong to reduce the appeal of his music to theses influences - this is underpinned by the very funkified mode of the title number, which also features some intelligent overdubs.

Christian Bakonyi, jazz zeit, December 2000
CD "Art of the Duo: The Big Rochade": Mal Waldron & Nicolas Simion
The pair create a music with a moody intensity that seems focused in away [another Mal Waldron duo recording of the same period] lacks. Open Windows, composed by Simion, has a yearning sound that is inviting. Waldron seems more animated with the young tenor player challenging him. Song for Leo finds the pianist boiling down his music, an almost severe mood. Significantly Waldron and Simion collaborate on some new pieces here that hit the mark, especially the bass clarinet-driven Dinosaurus' Dispute. Their version of Monk's Dream is a happy one, full of the rhythmic subtlety of the original.

Steve Vickery, Coda Magazine. The Journal of Jazz and Improvised Music (Canada), November/December 2000
Nicolas Simion Quartet "Transylvanian Dance", International Jazz Festival Viersen
Not only was Nicolas Simion one of the most characteristic saxophonists of the "basement programme", he also holds this position within Europe. With his quartet "Transylvanian Dance" he presented incredibly versatile music which is marked by the roots of his native Romania. Despite the strong presence of hard bop, modern and free jazz, the flair of the Balkans was always part of his multifaceted expressiveness.

Moritz Grenzebach, Rhein Post, September 2000
Nicolas Simion Quartet "Transylvanian Dance", International Jazz Festival Viersen
Above all, the groups of the two Cologne-based leaders Florian Ross ... and Nicolas Simion with his Quartet "Transylvanian Dance" were both convincing. They are amongst the best one can hear in the younger jazz scene of Middle Europe.

Hans-Jürgen von Osterhausen, Jazz Podium, December 2000
"DIE FASZINATION des BALKANS"
NICOLAS SIMION und die WDR-BIG BAND traten im Kleinen Sendesaal auf.

Folklore vom Balkan, Tänze in schwierigen Rhythmen, mitreissende Blechmusik-all dies kann man auf Weltmusik-Festivals erleben.
Nun hatte sich die WDR-Bigband im Kleinen Sendesaal des Funkhauses dieses Themas angenommen zusammen mit dem seit Jahren in Köln lebenden rumänischen Saxophonisten Nicolas Simion, international bekannt als Komponist auch der Neuen Musik und als Solist, der auf geniale Weise Folklore, Bela Bartok und den "Spirit" von John Coltrane in Einklang bringt.

Bill Dobbins, früherer Chef und nun Gastdirigent der besonderen Projekte, übersetzte Simions Ideen nahtlos und ebenso aufregend in seine nordamerikanische Jazzsprache.

Und mit Fortschreiten des Abends wurde dies immer europäischer, in der Gegenüberstellung von Simions fünfköpfiger Band samt ihres spielerisch leichten und tänzerischen Klangs und der Bigband, die seit Jahren gewöhnt ist, alles zu spielen, mit Perfektion und an diesem Abend auch Glanz und grosser Spielfreude.

Nach harmonisch und melodisch nicht alltäglichen Titel wie "Transylvanian Dance" verabschiedete sich die Band mit einer gewaltigen, fast authentischen Blechmusik vom Balkan, der Nahtstelle zwischen Europa und dem Orient.

"Stadtanzeiger" Köln, 20.9.04 Hans-Jürgen von Osterhausen
Danze rumene
Ecco uno dei rari casi in cui ascoltare un disco in duo non diventa un'impresa difficile, che solo in pochi sono in grado di affrontare.

Già dal primo brano il disco ci trasporta in un mondo ricco di sorprese sonore, di spunti ritmici interessanti, di armonie insolite rispetto alla maggior parte dei dischi di jazz. I brani affrontano con sicurezza territori ritmici inusuali, tratti da danze popolari rumene che già il compositore Bela Bartok, notevole autore ungherese della prima metà del Novecento, ebbe modo di amare ed inserire nelle sue composizioni.

Nicolas Simion, per lo pIú al sax soprano, al tarogato ed al clarinetto basso e Florian Weber al pianoforte (appare Courtesy of Enja) affrontano le composizioni con facilità, tutto scorre velocemente e con musicalità sorprendente; belli i temi e belli gli assoli, la tecnica e l'interplay si miscelano con sapienza e maestria.

Il disco è registrato dal vivo, i primi sette brani a Colonia, gli altri a Bucarest, con un bel suono, molto presente che ci regala anche l'entusiasmo del pubblico presente. Che altro aggiungere se non il consiglio sincero di acquistare questo splendido CD?

Massimo Colombo
Andere Räume, andere Stimmen
Nicolas Simion und seine Kollegen transportierten an einem Finanzumschlagplatz Musik statt Geld. Ein Beispiel für die Instrumentalisierung von Kultur.

Mit der Performance des Nicolas Simion Quartettes erreichten die "Jazzfreunde" im langjährigen Surfen im Auf und Ab des Veranstaltens wieder einmal einen Höhepunkt. [...] Die Gruppe um den Exilrumänen Nicolas Simion pflegt musikalisch die guten alten Werte des Handwerks mit goldener Trompete, wohl dosierten Einzelleistungen im Solo und dynamischen Arrangements. So eher der Reform als der Revolution verpflichtet, wie die Veranstalter schon in der Einladung vermerkten, konnte nicht viel schief gehen. Bandleader Simion am Tenorsaxophon und Baßklarinette blieb bei den warmen Tönen und spürte in seinen Soloausführungen der Melodie nach und überließ die rauheren Klänge seinem Trompeter Tomasz Stanko. [...] Gemeinsam mit Victor Jones am Schlagzeug und Ed Schuller am Stehbaß entfalteten die vier Musiker eine mitreißende Schubkraft. [...] Neben respektheischenden Einzelleistungen überzeugte das Nicolas Simion Quartett auch durch das geschlossene Zusammenspiel. [...]

Florian Sedmak in "Salzkammergut", 13. Mai 1994
Nicolas Simion Group - Balkan Jazz
"The man has got power," tw writes in the Wolfsburger Allgemeine Zeitung (WAZ) after a live concert in Gelsenkirchen / Hassel. Brilliant and strong, natural, vibrating with energy and still melodic, free and then again romantic is the playing of Nicolas Simion, especially on the tenor saxophone. The reedsman, who comes from Romania and lives in Cologne, draws on many sources of musical inspiration. Great composers like Bela Bartók and fellow countryman George Enescu have had an influence on Simion's music, as have the folk songs and rhythms of his Romanian homelands that flow into his free improvisations, together with bebop and funk, rendering a quite regional type of world music. "What makes him different from conventional (Jazz) musicians is his choice of themes and his way of phrasing," Reiner Kobe remarks in JazzPodium.

The trade press is enthusiastic about Nicolas Simion. JazzZeit comments on his current album Balkan Jazz (Intuition), a live recording of a concert with his band and distinguished guests (Dusko Goykovich and others) in the Stadtgarten of Cologne: "There is more to this than the limited concept of Balkan Jazz. The Nicolas Simion Group is captivating with its rhythm and melody and totally exciting improvisations …"

On the Internet, buch.de considers that, "An incredibly captivating and interesting interplay between the musicians and the cultures emerges. Each of the ten featured pieces has a different focus. Every single musician is giving an incredible performance and the overall result is simply breathtaking. Everybody seeking Jazz off the tried and tested paths has come exactly to the right place."

And Reiner Kobe refers to the current CD in JazzPodium as "a successful live recording" that serves "Nicolas Simion (to emphasize) his outstanding importance as a musical pathfinder." And, "The remarkable album (deserves) a broader public …"

Christoph Giese
Nicolas Simion - Saxophon
Nicolas Simion hat sein Handwerk als Klarinettist, Saxofonist, Komponist und Dirigent an der Musikhochschule in Bukarest gelernt.
Noch kurz von der Wende 1988 verließ er Rumänien und siedelte nach Wien über, wo er etliche Jahre zur besonderen Jazzszene gehörte, was durch viele Plattenaufnahmen z.B. mit Tomasz Stanko, Ed Schuller, Victor Jones, Jamey Haddad, Lonnie Plaxico, Graham Haynes, Ronnie Burrage, Andy McKee, Billy Kilson etc. dokumentiert wurde.

Besonderes hervorzuheben ist sein während dieser Zeit auf einer Tournee in Köln (im Loft) aufgenommenes Duo-Konzert mit dem legendären Pianisten Mal Waldron: The Art of the Duo „The Big Rochade" (1995). Vor mehr als 9 Jahren ist Nicolas Simion nach Köln umgezogen.
Dort verwirklicht er seine Projekte mit seinen eigenen musikalische Quellen, wie z. B. auch seiner Verehrung für die Musik Bartoks und Enescus, in immer wieder neuen Kombinationen wie "Balkan Jazz" mit Dusko Goykovich (im Herbst 2004 auch mit der WDR Big Band zu hören gewesen).Im Jahre 2001 ist Simion mit Lee Konitz und dem Altmeister des rumänischen Jazz, Jancsy Körössy, im Kölner Loft aufgetreten und hat dort aufgenommen. 2003 entstand aus dieser Kombination die CD "Live in Graz", produziert vom ORF in Österreich.

Christoph Giese
Balkan-Jazz und weit mehr. Der Multiinstrumentalist und Komponist Nicolas Simion
Es war zwar nur der kleine Sendesaal im Funkhaus des WDR am Kölner Wallraffplatz, aber für Nicolas Simion war es doch Anerkennung, Genugtuung – und ein Heidenspaß zugleich, als er – im letzten Herbst – als Stargast der WDR Big Band einen fulminanten, viel umjubelten Konzertaufritt erleben konnte. Bill Dobbins, von 1994 bis 2002 Chef des renommierten Orchesters, war extra aus den Staaten angereist, um die Ideen und Kompositionen Simions in mitreißende Big-Band-Arrangements umzusetzen.

Seit 1997 lebt der rumänische Multiinstrumentalist, Komponist, Arrangeur und Bandleader Nicolas Simion (45) nun in Köln, ist auch vielen Fans in der Szene bekannt, nicht nur im Rheinland, auch in Österreich, wo er nach seiner Flucht aus seinem Heimatland 1988 lebte und musizierte, in Bulgarien, Griechenland und Rumänien ohnehin, aber auch in Japan, wo er mehrfach gastierte, einmal im Duo mit der Pianistin Yoko Gulda (Ex-Frau von Friedrich Gulda). Doch trotz Gastspielen etwa in München und Berlin, trotz hochinteressanter CDs mit Stars wie Mal Waldron, Lee Konitz, Tomasz Stanko, Dusko Gojkovic, Gunther Schuller, scheint ihm der wirkliche Durchbruch in Deutschland noch nicht gelungen zu sein.

Simions Hauptinstrument ist das Tenorsaxophon, das er mit einem vollen warmen Ton spielt, aber auch in extreme Höhen schrauben kann, wenn ihn gewissermaßen der Free Jazz-Furor packt, was nicht selten geschieht („Coltrane und Rollins haben mich am meisten geprägt, aber ich höre jetzt auch mehr und mehr Lester Young, weil der mit einfachen Mitteln genau soviel sagt..."). Fast gleichwertig zum Tenor gehört seine Liebe dem Sopran und der Bassklarinette. Dass er die typischen Holzblasinstrumente der balkanischen Volksmusik wie Tarogato, Tilinka, Kaval und die B-Klarinette beherrscht, versteht sich aufgrund seiner Herkunft fast von selbst.

„Balkan Jazz" lautet der schlichte, doch programmatische Titel einer seiner besten CDs, andere Aufnahmen nannte er „Transsylvanian Dance" und „Black Sea", und zweifellos leistet Simion auf dem Gebiet der Verschmelzung von Melodien aus dem reichen Schatz der Volksmusik Südosteuropas mit dem Jazz Großartiges, fast schon Geniales, denn er versetzt die Folklore nicht nur mit Jazz-Elementen, wie es auf dem Balkan selbst zur Mode geworden ist, vielmehr versucht er „eine Synthese zu erzeugen zwischen den drei großen Richtungen: Volksmusik, Jazz und Musik des 20. Jahrhunderts", so Simion im Gespräch.

Mit Folklore und Jazz auch Elemente klassischer oder Neuer Musik zu verbinden, das sei ihm am besten auf der Trio-CD „Back to the Roots" mit zwei amerikanischen Kollegen gelungen (Peter Perfido dr und Glen Fisher b). Ins Schwärmen gerät Nicolas Simion, wenn er von seiner Zusammenarbeit mit Mal Waldron erzählt, von ihren Konzerten und vor allem vom Auftritt im Kölner „Loft" (1998), festgehalten auf der wunderbaren CD „Art of the Duo – The Big Rochade". Mit Mal habe er versucht, „an die Grenze zu kommen, zu dieser neuen improvisierten Musik, da gibt es ein paar Stücke..." – seine Worte bleiben in der Luft hängen, wie manche der Klänge, die den beiden damals gelangen, luzid, fast abgeklärt.

Ein verpflichtendes Erbe für den in Brasov/Kronstadt und Bukarest klassisch ausgebildeten Nicolas Simion stellen die Werke Belá Bartóks und George Enescus dar, die beide aus den Quellen der Volksmusik ihrer und anderer Völker geschöpft haben, wodurch sich für ihn ein magischer Kreis schließt. Das kommt nicht nur in Jazz-Titeln wie „Hommage a Belá Bartók" oder „Bartok Goes To New Orleans" zum Ausdruck, sondern auch in seinen notierten Kompositionen wie der Ballettmusik „The Unfinished Square", für die er 1996 den Theodor-Körner-Förderpreis erhielt, oder die Auftragskomposition „Canzoniere Sacrale" für Orchester und Jazz Combo, mit der im März 1999 die renovierte Ruprechtskirche, die älteste Kirche Wiens, wieder eröffnet wurde.

Aber vor allem, so Nicolas Simion, sei er eben doch ein Jazzer. Und, fügt er lächelnd und ein wenig selbstironisch hinzu, was den Durchbruch anbelange – auch ein Joe Henderson, ein Mal Waldron, ein Lee Konitz hätten lange warten müssen, ehe sie wirkliche Anerkennung gefunden haben…


CD-Tipps
-Nicolas Simion Group Live feat. Lee Konitz, ORF, 2001
-Mal Waldron/Nicolas Simion: Art of the Duo – The Big Rochade, TUTU, 1998
-Nicolas Simion Group feat. Dusko Gojkovic: Balkan Jazz, Intuition, 2001
-Nicolas Simion Quartett feat. Tomasz Stanko: Dinner for Don Carlos TUTU, 1993
-Jancsy Körössy & Nicolas Simion Group : Sweet Home, Muzica Bukarest, 2001

Dietrich Schlegel
SOULS & MASTERS
MAL WALDRON & NICOLAS SIMION - „The Big Rochade" – Tutu CD888 186

More to the point is Waldron's duo set with tenor saxophonist Nicolas Simion, recorded in Cologne Germany in 1995. The pair create a music with a moody intensity that seems focused in a way that the birthday duets lack. „Open Windows", composed by Simion, has a yearning sound that is inviting. Waldron seems more animated here with the young tenor player challenging him. „Song for Leo" finds the pianist boiling down his music, an almost severe mood. Significantly Waldron and Simion collaborate on some new pieces here that the mark, especially the bass clarinet-driven „Dinosaurus's Dispute". Their version of „Monk's Dream" is a happy one, full of the rhythmic subtlety of the original.

CD review by Steve Vickery, Coda Magazine – Nov./Dec. 2000
Balkan Blues – American Jazz Finds Soulmates In a Land of Passion and Pain
(...) Zu hören ist das Nicolas Simion Quintett mit Simion, einem breitschultrigen, dunkelbärtigen Rumänen am (wunderschönen und gut gespielten silbernen) Tenor­saxophon, ein junger und begabter Flügelhornspieler [John Marshall] und eine Rhythmusgruppe mit dem stoppel­bärtigen, lockeren Rumänen Mihai Farcas am Schlagzeug, dem Mazedonier Martin Gjakonovski am Bass (er tritt mit Dusko Goykovich in A Night in Skopje auf) und dem Deutschen Norbert Scholly, der mit seinen flinken Fingern die Gitarre bearbeitet.

… In diesen zwei Stunden hören die versammelten Serben, Kroaten, Bosnier, Bulgaren, Rumänen, Ungarn, Deutschen und mindestens ein Amerikaner zwei Sätze heißen und coolen Jazz. Die Band spielt eine Reihe von Jazzklassikern und klingt damit in aller Ohren wie eine professionelle amerikanische Combo; in seinen freien und kraftvollen Soli lässt Simion keinen Zweifel an seiner Verbindung zu Ornette Coleman.

Die meisten Stücke sind jedoch Simions spannende Jazz­komposi­tionen, Lieder wie "Geamparale" nach einem rumänischen Hochzeitstanz im 9/8 Takt (es erinnert an Dave Brubecks "Blue Rondo a la Turk" — beziehungsweise umgekehrt: wie der Titel andeutet, erinnert Brubecks Stück an Musik aus dem Balkan) mit Anklängen an die orientalischen Tonarten und Rhythmen balkanischer Volksmusik.

Im Gegensatz zur Offenheit der Jugoslawen für den Jazz war Rumänien ein streng kontrolliertes Land; Simion, der am Buka­rester Konservatorium klassische Musik studierte, hörte das Jazzsaxophon, gespielt von einem Zigeuner, zum ersten Mal während seines obligatorischen Wehrdienstes. Als sein Quintett 1988 eingeladen wurde, an einem internationalen Musikfestival in Ostberlin teilzu­nehmen, hörte er zum ersten Mal amerikanische Musiker, darunter Ornette Coleman und Joe Henderson. Vier Monate später war zum Warschauer Jazzfest eingeladen, wo er Miles Davis und Phil Woods hörte. Das gab den Ausschlag. Simion kehrte nicht nach Rumänien zurück, sondern gelangte nach Wien, wo er einige Zeit spielte, dann nach Köln, einem Zentrum des europäischen Jazz.

Auf Simions Webseite (www.nicolassimion.com) finden wir sechs CDs, auf denen er Bandleader ist, ein Album im Duo mit Mal Waldron, eine Aufnahme mit dem Mal Waldron Quartet (hier spielte Simion für den verstorbenen Jim Pepper) und eine Aufnahme mit Christian Muthspiels Oktett. Die neueste CD, Viaggio Imaginario (TUTU Records, 1999), mit dem polnischen Trompeter Tomasz Stanko sowie Ed Schuller (dem Sohn des Komponisten, Dirigenten und Jazzkritikers Gunther Schuller), Peter Perfido, Christian Muthspiel, Angus Bangus Thomas und Jamey Haddad, ist so kraftvoll und vielseitig und erfindungsreich, so kompliziert und leidenschaftlich, dass sich öfteres Anhören lohnt. Als intelligenter und inspirierter Komponist und Musiker ist Simion eine bedeutende Stimme der europäischen Musikszene und sollte in den kommenden Jahren auch in den USA zu hören sein. (…)

Von Scott Abbott, Salt Lake Observer, 2.-15. Juli 1999
Nick at Night
Nicolas Simion hat u.a. bereits beim deutschen TUTU Label eine Duoaufnahme mit Mal Waldron herausgebracht. Anlaesslich seiner Japantournee im April hat er mir diese CD gegeben. Sie hat mir sofort gefallen. Nicolas stammt aus Transsilvanien, 1989 fluechtete er, zunaechst nach Wien, heute lebt er in Koeln. Die Stuecke mit Anklaengen an die traditionelle rumaenische Musik sind sehr eingaengig. Aber er verkauft die Tradition nicht wie ein billiges Souvenir. In der traditionellen Musik seines Landes finden sich Parallelen zu Standards und Jazzkompositionen, aber auch zu klassischen Stuecken. Und darauf baut seine (Jazz-) Spielweise auf. Bei relaxtem Tempo entwickelt er seine Soli. Da ist kein Platz fuer aufdringliche Tonfarben oder Rhythmuswechsel. So soll es sein, das ist Musik mit Tiefgang.

Rezension in Jazz Critique/Tokyo
Musica dalla Transilvania (Transylvanian Grooves-DVD)
Fra i migliori esponenti di un jazz europeo che ha trovato ispirazione nelle proprie radici c´è il sassofonista rumeno Nicolas Simion, da tempo presente con incisioni a proprio nome, fra l´altro insieme al trombettista Tomas Stanko su Tutu Records. Nel frattempo ha deciso di mettersi in proprio e sulla sua Seven Dreams Records ha pubblicato il DVD del concerto tenuto al festival di Viersen nel 2006.
Come sempre c´è con lui una band multinazionale, questa volta un sestetto con Piotr Wojtasik alla tromba, Norbert Scholly alla chitarra elettrica, Florian Weber al pianoforte, Sebastian Boisseau al contrabbasso e Alan Jones alla batteria. Insieme suonano con passione delle composizioni ispirate al folklore della Transilvania, usando molte sfaccettature espressive: i tempi lenti di "Hungarian Folk Song" o "Havanera" o il più sostenuto "Romanian Boogie". La "Love Song" di apertura è un bell´esempio di ballad, ricca di feeling, interpretata da Simion al sax soprano. A questo strumento ha ormai una propria precisa identità, e lo mostra per tutto il concerto, tranne che in "Hungarian Folk Song" interpretata al clarinetto basso ed il finale "Doina, Ardealana, De Doi", dove suona il tarogato, uno strumento della tradizione ungherese.
Tutti hanno modo di mettersi in evidenza con assoli misurati e di dare alla musica un feeling che si trasmette agli ascoltatori. Senza alcun appoggio da parte di grosse case discografiche Simion continua a produrre la propria musica, senza condizionamenti alcuni, e forse proprio per questo risulta fra i migliori esponenti di un etno jazz che nelle sue interpretazioni non risulta mai di maniera.

Vittorio LoConte, 2007
"Classic meets Jazz"(1) - Jassy(Romania), november 2004
Evenimentul lunii si al anului urmeaza abia acum : 26 nov. este data la care a avut loc la Iasi prima auditie în concert a unui opus vechi de 39 de ani: Dublul concert pentru pian, saxofon tenor, orchestra simfonica si big band de Richard Oschanitzky. Avem datoria morala de a implini destinele frante prematur ale unor muzicieni de geniu. Lumea nu stie pur si simplu ca acest concert este una dintre cele mai frumoase lucrari de jazz simfonic create vreodata. Ma mir ca la Leipzig, unde a fost inregistrata in 1970, nu s-a gasit nimeni inaintea noastra sa scoata la lumina opusul. Cei mai “iuti” au fost doi împatimiti ai muzicii lui Oschanitzky, ieseanul Alex Vasiliu (initiator al Festivalului Oschanitzky, sprijinit intotdeauna de Centrul Cultural German) si Nicolas Simion, un adevarat continuator al lui Oschanitzky intr-ale jazz-ului de factura etnica. Dirijor a fost fratele compozitorului, Peter Oschanitzky. O dramaturgie fireasca a discursului, cu teme de o frumusete nobila si o orchestratie inspirata si sofisticata, care pune in valoare fiecare compartiment al ansamblului (simfonicul, big band-ul, dar si solistii), indreptatesc opinia avansata candva ca Oschanitzky poate fi considerat un Duke Ellington al Romaniei. Nicolas Simion, cu flerul sau binecunoscut in a-si gasi complici de valoare, l-a invitat ca partener solist pe tinarul si foarte talentatul Florian Weber (26 de ani, Academia de muzica din Koeln, jazz la Berklee College din Boston). Nicolas l-a “romanizat” in sensul cel mai bun al notiunii, printr-o intreaga serie de concerte de jazz la Brasov, Sibiu, Bucuresti in aceasta toamna. Florian a fost aplaudat sincer si entuziast si pentru Rhapsody in blue de Gershwin. Auditia celor doua lucrari de jazz simfonic in acelasi concert in oglinda ne convinge de valoarea lui Oschanitzky si de faptul ca poate ocupa acelasi loc ca si Gershwin in repertoriul de gen. Fara exagerare! In acelasi concert au fost interpretate pentru a doua oara în Romania Canzonierele sacrale ale lui Nicolas Simion, o muzica emotionanta, conceputa ca o trecere prin toate fazele vietii de la nastere la moarte, in 7 parti distincte. Emotionanta in partile corale, ca o meditatie-sinteza intre cantus firmus si cantul bizantin, dar prea putin convingatoare în partile de tutti (orchestra simfonica, combo de jazz, solisti), care exprima lupta omului cu haosul si nefiinta. Tehnica improvizatiei aplicata pe tutti da discursului o densitate maxima continua, care face greu de depistat vreo evolutie tematica sau acumulare dramatica. Lupta dintre bine si rau pare sa se concretizeze aici in inclestarea dintre frumusetea scriiturii corale si dezordinea scriiturii orchestrale.

Daniela Vlad
"Classic meets Jazz"(2) - Jassy(Romania), november 2004
[......] Evenimentul lunii şi al anului urmează abia acum : 26 nov. este data la care a avut loc la Iaşi prima audiţie în concert a unui opus vechi de 39 de ani: Dublul concert pentru pian, saxofon tenor, orchestră simfonică şi big band de Richard Oschanitzky. Avem datoria morală de a împlini destinele frânte prematur ale unor muzicieni de geniu. Lumea nu ştie pur şi simplu că acest concert este una dintre cele mai frumoase lucrări de jazz simfonic create vreodată. Mă mir că la Leipzig, unde a fost înregistrată in 1970, nu s-a găsit nimeni înaintea noastră să scoată la lumină opusul. Cei mai “iuţi” au fost doi împătimiţi ai muzicii lui Oschanitzky, ieşeanul Alex Vasiliu (iniţiator al Festivalului Oschanitzky, sprijinit întotdeauna de Centrul Cultural German) şi Nicolas Simion, un adevărat continuator al lui Oschanitzky într-ale jazz-ului de factură etnică. Dirijor a fost fratele compozitorului, Peter Oschanitzky. O dramaturgie firească a discursului, cu teme de o frumuseţe nobilă şi o orchestraţie inspirată şi sofisticată, care pune în valoare fiecare compartiment al ansamblului (simfonicul, big band-ul, dar şi soliştii), îndreptăţesc opinia avansată cândva că Oschanitzky poate fi considerat un Duke Ellington al României. Nicolas Simion, cu flerul său binecunoscut în a-şi găsi complici de valoare, l-a invitat ca partener solist pe tînărul şi foarte talentatul Florian Weber (26 de ani, Academia de muzică din Köln, jazz la Berkley College din Boston). Nicolas l-a “românizat” în sensul cel mai bun al noţiunii, printr-o întreagă serie de concerte de jazz la Braşov, Sibiu, Bucureşti în această toamnă. Florian a fost aplaudat sincer şi entuziast şi pentru Rhapsody in blue de Gershwin. Audiţia celor două lucrări de jazz simfonic în acelaşi concert în oglindă ne convinge de valoarea lui Oschanitzky şi de faptul că poate ocupa acelaşi loc ca şi Gershwin în repertoriul de gen. Fără exagerare! În acelaşi concert au fost interpretate pentru a doua oară în România Canzonierele sacrale ale lui Nicolas Simion, o muzică emoţionantă, concepută ca o trecere prin toate fazele vieţii de la naştere la moarte, în 7 părţi distincte. Emoţionantă în părţile corale, ca o meditaţie-sinteză între cantus firmus şi cântul bizantin, dar prea puţin convingătoare în părţile de tutti (orchestră simfonică, combo de jazz, solişti), care exprimă lupta omului cu haosul şi nefiinţa. Tehnica improvizaţiei aplicată pe tutti dă discursului o densitate maximă continuă, care face greu de depistat vreo evoluţie tematică sau acumulare dramatică. Lupta dintre bine şi rău pare să se concretizeze aici în încleştarea dintre frumuseţea scriiturii corale şi dezordinea scriiturii orchestrale. A venit apoi Concertul simfonic din 3 decembrie, dirijat de Misha Katz (originar din Rostov pe Don, stabilit la Cannes, Franţa), cu un program Wagner - Uvertura Tannhäuser, Prokofiev 3 pentru pian cu solista Alina Elena Bercu de 14 ani din Braşov (o evoluţie surprinzătoare pentru un copil în numai 6 ani de studiu!...), şi Simfonia a V-a de Beethoven. Acelaşi Katz care arde ca un rug pe scenă, interpretează cu tot trupul, dansează exuberant sau se contorsionează, înmărmureşte cu ochii spre tavan, sare în lături ca un vrăjitor şi îşi aruncă braţele şi corpul ca o mantie peste primele pupitre. Tu în public eşti la rândul tău înmărmurit, derutat, amuzat, emoţionat, impresionat. Te întrebi dacă ai mai pomenit undeva această coregrafie dirijorală sau este doar a personajului ieşit din comun care este Katz. Statură, înfăţişare, excentricitate, toate se potrivesc cu ceea ce ştim despre Liszt sau Paganini (...). A învăţat dirijat de la tatăl său, de la Şostakovici (care venea să-şi dirijeze simfoniile la Rostov şi era prieten al familiei) şi de la Bernstein, care i-a spus că îi poate învăţa dirijat pe toţi elevii săi, dar nu şi pe el, pentru că e prea diferit şi trebuie să-şi găsească o cale proprie. Misha Katz vine la Iaşi din februarie 2003, va dirija aici Sibelius în februarie 2005, ne spune întotdeauna că ne iubeşte şi că fără iubire nu se poate nimic pe lume. Dar ieşenii nu l-au sărbătorit, nu i-a adus nimeni nici o floare, deşi numai peste două zile, pe 5 decembrie, făcea exact 50 de ani. Oare chiar să nu fi ştiut nimeni data lui de naştere ?!...
Mult mai bine a fost primit dirijorul american Paul Nadler, în concertul din 10 decembrie. Numit principal dirijor invitat al filarmonicii din această primăvară, ceea ce înseamnă probabil că va veni la Iaşi de trei ori pe an. De fapt, deşi e stabilit în Florida, îl simţim puţin de-al nostru cu sfertul său de descendenţă românească prin bunica de la Chişinău. Sub bagheta lui, redescoperim transparenţa sunetului în Simfonia 41 “Jupiter” de Mozart, expresivitatea, dinamismul, precizia şi multe alte calităţi în suitele “Romeo şi Julieta” de Prokofiev şi “Daphnis şi Chloe” de Ravel. Adică o credibilitate şi o autoritate pe care orchestra i le-a acordat pe deplin.
2004 ne-a adus până la finalul său şi alte concerte minunate: pe 19 decembrie, maestrul George Vintilă a dirijat un vocal-simfonic dedicat domniei sale în al 80-lea an de viaţă (este născut la 30 martie 1924). Mă urmăreşte şi acum zâmbetul său bonom, plin de bucuria momentului. Sper să revin tot aici, cu un portret. Corul “Gavriil Musicescu” ne-a emoţionat parcă mai mult decât oricând cu Concertul de Colinde “Domn, Domn să-nălţăm”, devenit concert de binefacere pentru reconstrucţia bisericii Banu din Iaşi. Deşi aspectul filantropic nu era cunoscut dinainte, din public s-au adunat în total 40 de milioane de lei. Mă opresc o clipă şi la Concertul de Iarnă din 22 decembrie, construit, orchestrat şi dirijat de maestrul Sabin Păutza, care m-a făcut să mă gândesc la câtă nevoie avem la Iaşi de spiritul său. Aranjamentele (impecabile) de bossa-nove, de cântece din anii ’30-’40 (jazz sau musical-uri, solo soprana Bianca Ionescu), vorbele de duh rostite la microfon (din care n-au lipsit câteva gânduri dedicate fostului său coleg Oschanitzky, al cărui Dublu Concert auzit de noi la Iaşi l-a dirijat recent şi el la Bucureşti şi Braşov), ne-au făcut toate să ne amintim cu nostalgie de concertele de iarnă dirijate odinioară de Ion Baciu...
Cum să nu iubeşti această filarmonică, dacă de aici se împânzeşte peste noi atâta suflet ? Le mulţumim tuturor şi le dorim un 2005 cu multă sănătate şi multe zile glorioase, ca de altfel tuturor artiştilor ieşeni! Muzica lor ne face mai puternici, de aceea, la ieşirea din sala de concert putem spune întotdeauna... am venit, am ascultat, am... învins!

Daniela Vlad - "VENI, AUDI, VICI ... însemnări la final de an din sala de concert"
Yuko Gulda + Nicolas Simion + Satoko Fuji + Natsuki Tamura Double Duo - Live in Tokyo
Das Duo des in Rumänien geborenen und in Köln lebenden Saxophonisten und der in Wien lebenden Pianistin Yuko Gulda bereiste im April 2001 Japan. Neben einem Auftritt bei einem Festival in Beppu spielten sie am 27. April im Ogikubo Cremonia in Tokyo ein Konzert mit Satoko Fujii (p) und Natsuki Tamura (tp). Ich beziehe mich hier auf den letzteren Auftritt.
Alle vier Musiker sind auch anerkannte Komponisten, und in verschiedenen Besetzungen bestachen sie sowohl durch interessante Kompositionen wie auch Interpretationen. Zunächst ein Pianoduo mit Fujii und Gulda. Mit Dynamik und Emotionalität, verbunden mit einem sehr feine Rhythmusgefühl, entlockten die beiden Pianistinnen ihren Instrumenten eine Fülle von Klangfarben. Dann ein Duo mit Tamura und Simion. Tamura’s sehr eigenständige Improvisationen beruhen auf einer erstaunliche Bandbreite an Tonfarben, die er einsetzt um immer wieder völlig unvorhergesehene Wendungen zu erzielen, auf die Simion aber sehr cool und gelassen reagierte. Danach spielten alle vier die Fujii-Komposition „G Pedal Point“, die dann in Simion’s „Yosakoi“ überging, und bei diesem Stück kam seine Klasse besonders gut zur Geltung. Seine weiträumigen Improvisationen haben immer etwas lyrisches, und man denkt unwillkürlich, genau so habe ich mir vorgestellt, dass ein Musiker vom Balkan klingt.
Später spielten sie noch eine neue Komposition mit einer kinderliedartigen Melodie von Tamura. Für mich hörte sich das Stück fast wie ein slawisches Volkslied an und man konnte sehen, wie viel Spaß es Simion machte, es zu spielen. Ob die zum Verücktwerden schönen Kompositionen und der Romantizismus von Gulda, die Klangerkundungen – auch im Inneren des Pianos – von Fujii, die lyrischen Improvisationen Simions oder die humoristisch-dadaistischen Interventionen Tamuras, es gab viel zu hören an diesem Abend.

Toyoki Okajima in Jazz Critique no. 108 (Juli 2001)
"Canzonieri Sacrale" für Kammerorchester und Jazz-Ensemble
Komponist: Nicolas Simion
Kompositionsauftrag des ORF, entstanden 1998
Uraufführung: 20. Februar 1999, 19.30, ORF Radiokulturhaus, Großer Sendesaal
Ausführende: Ensemble "die reihe" und "Ensemble Mosaic"
"Wenn sakrale Musik ein Bedürfnis des Menschen nach dem Transzendentalen beantwortet, so stellt sich die Frage, wie und mit welchen musikalischen Mitteln dieses Bedürfnis in unterschiedlichen Zeiten und Kulturen umgesetzt worden ist und wie es heute umgesetzt werden kann."
Canzoniere Sacrale ist eine Komposition, die byzantinische, orthodoxe und estnische Gesänge aufnimmt und von Interludien in Form der Canzoni (Lieder) verbunden wird.
"Das Ausgangsmaterial, mittelalterliche Kirchenmusik aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Riten, ist für mich ein Spiegel, durch den wir, Menschen am Ende des 20. Jahrhunderts, uns anschauen und mehr über uns, über unsere Wahrheit, erfahren. Es ist dieser Kern der alten Gesänge, der mich fasziniert, und den ich mit den musikalischen Mitteln unserer Zeit neu interpretiere, um daraus ein neues Ganzes entstehen zu lassen."
Canzoniere Sacrale ist für zwei Klangkörper, ein klassisches und ein Jazz-Ensemble, komponiert, denen unterschiedliche Rollen und Funktionen zugeordnet sind: Makrokosmos und Mikrokosmos, Kirche und Individuum, äußere und innere Welt, komponierte Musik und Improvisation.
Canzoniere Sacrale ist eine Suite und kann auch als Reise durch unterschiedliche Zeiten, Riten und Kulturen gehört werden. Die Canzoni übernehmen dabei die Funktion der Verarbeitung der Eindrücke und des Kommentars.
Die sieben Teile der Komposition können als Ausdruck der unterschiedlichen Lebensphasen interpretiert werden, als Reise von der Geburt bis zum Tod.

1.Cantus Firmus: Enthält im Kern die wesentlichen Gedanken und Stimmungen, die später entwickelt werden.

2.Canzoni No. 2: Übernimmt den Klang des Cantus firmus und stellt eine Überleitung zu Hymn her, die auf einen griechisch-orthodoxen Gesang zurückgeht.

3.Hymn: Hier gibt die Stimme das Hauptthema vor, das klassische Ensemble übernimmt die Rolle der Orgel. Hymn ist wie eine Meditation, ein Gebet.

4.Canzoni No. 6: Erweitert die Idee der Canzoni No. 2 und fungiert als Bindeglied zwischen Hymn und Die Confocration.

5.Die Confocration: Nimmt ein estnisches Kirchenlied als Ausgangspunkt und bringt eine weitere Beruhigung mit sich, eine Phase der Ruhe vor dem Sturm, vor dem Ausbruch des endgültigen Kampfes in Far out.

6.Far out: Zeigt Kampf und Krieg, die Auseinandersetzung zwischen den Kriegswilligen und den Bewahrern des Friedens, aber auch den Kampf des Menschen mit dem Tod.

7.Glas VIII (Glas: rumänisch für Gesang, Stimme): Ausgangsmaterial ist ein rumänisches Kirchenlied. Es zeigt das Sterben des Menschen und bringt den Gedanken der Aussöhnung mit der eigenen Sterblichkeit hervor. Damit schließt sich der Kreis, es spannt sich der Bogen zwischen Kommen und Gehen.

"In Canzoniere Sacrale verbinde ich uralte byzantinische Gesänge, Lieder der orthodoxen Kirche und einige Canzoni, um die Stimmung einer Kathedrale, Raum und Zeit, zu erzeugen. Den musikalisch abstrakteren Canzoni kommt dabei die Funktion der Säulen zu, die das Gewölbe der Kathedrale tragen."

Nicolas Simion
"Canzonieri Sacrale" - Erstaufführung
"Canzonieri Sacrale" bedeuten Musik von berührender und glaubwürdiger emotionaler Tiefe; Simion entwickelt aus einfachen Melodien durch improvisatorische Stilmittel und kluge Instrumentierung komplexe und vor allem wirkungsvolle Resultate. Und im Prinzip schöpft die Komposition ihre - trotz der überaus traditionellen, zumeinst tonalen Materialbasis - grosse Überzeugungskraft aus derselben Quelle wie Simions hochoriginärer Saxophon-Stil: aus dem ungebrochenen Zugang zu den Traditionen seiner transsylvanischen Heimat.
Das publikum akklamierte die Aufführung heftig.

Andreas Felber in Concerto Nr. 2, April/Mai 1999
Greizer JazzWerk präsentiert fantastische Klangwelten
Die hohe Schule des Jazz präsentierten zur neunten Auflage des Greizer JazzWerks Bands und Solisten gleichermassen. Von verträumt-melodisch bis exzessiv-ausbrechend reichte das musikalische Spektrum in den Konzerten des Festivals, bei dem international renommierte Musiker aus Deutschland, Rumänien, der Schweiz oder Japan zu hören waren. Bebop und Hardbop vermischte der rumänische Saxophonist Nicolas Simion mit Elementen der Floklore des Balkans. Sein Quartett "Transylvanian Grooves" fesselte die Zuhörer, die wie auch an den anderen Abenden nicht nur aus Greiz kamen, sondern aus der gesamten thüringisch-sächsischen Region sowie aus Franken und Sachsen-Anhalt angereist waren, mit einem Sound, der Modern Jazz mit verschiedensten Stilelementen verband.

[......] Ganz in der Verpflichtung des soliden Modern Jazz der Mitte des vorigen jahrhunderts klingt die Musik des rumänischen Saxophonisten Nicolas Simion und seines Quartetts "Transylvanian Grooves".
Dennoch schwingen trotz der Hauptanteile von Bebop, Hardbop und Free Jazz stets Elemente der Folklore des Balkans mit und lassen so eine vielseitige wie vielschichtige Musik enstehen, die gleichermassen verträumt wie energiereich und dynamisch daher kommt. Mit seinem in Rumänien lebenden Jazz-Weggefährten und Pianisten Mircea Tiberian sowie Martin Gjakonovski am Bass und Silvio Morger am Schlagzeug schenkte Simion dem Publikum Jazz, der auf eigenständige Art und Weise die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.[......]

Karsten Schaarschmidt, Mai 2008
Immer wieder gern in Bielefeld
Rumänische Volkslieder mit Nicolas Simion im Bunker

Bielefeld. Die Volksmusik des Balkans ist weit verbreitet: Bei New Yorker Jazz-Bands steht sie hoch im Kurs.
Doch wie Nicolas Simion gelinkt es keinem anderen Musiker, sich spielend wie ein Fisch im Wasser in diesen verschiedenen Musik-Welten zu bewegen und Modern Jazz mit osteuropäischen Traditionen zu mischen.
In seinem Atem vereinigen sich Charakter und Energie der Wurzeln seiner rumänischen Heimat mit grossartiger Musik. Ein angenehm singender Saxophon-Ton, der sich in poetischen Balladen, rasanten Läufen entfalten und in hymnische Höhen hinaufschwingen kann.
Neben weitläufigen Soli ist das Konzert von Dialogen zwischen Saxophon und Gitarre geprägt. Oft durchkreuzt Norbert Scholly die verwundenen Saxophonlinien des Bandleaders. Oder er anwortet in längeren Soli. Dabei macht sein virtuoser und gleichzeitig schleppend verschrobener Gitarrenstil die Dialoge spannend.
Martin Gjakonovski am Kontrabass und der eingesprungene Jens Düppe am Schlagzeug liefern als Rhythmus-Gruppe eine einfühlsame Begleitung – und können in einigen Soli glänzen. Mit seiner sympatisch-bescheidenen Ausstrahlung schafft es Simion in Bemerkenswerter Weise, die Musiker um sich zu sammeln und ein besonderes Zusammenspiel zu schaffen.
Die Musik fundiert auf einer bemerkenswerten Persönlichkeit und verfällt dabei in keine Klischees. Rumänische Musik ist bekanntlich rasend schnell – doch hinterlassen gerade langsame leise Balladen den grössten Eidruck. Eine dieser Balladen hat Simion sogar extra für eine Bielefelderin komponiert – nur ist sie nicht da.

Von Eckart Schönlau „Neue Westfälische“, 29 April 2003
Verschmelzung unterschiedlicher Stilrichtungen
Nicolas Simion und „Balkan Jazz“: Tradition mit modernem Einfluss

Rodenkirchen. Wer den Jazz in ungewöhnlichen Variationen und mit Einflüssen vor allem aus dem Balkan liebt, der war am Wochenende im Bistro Verde am richtigen Platz. Nicolas Simion fesselte mit seiner Band die Zuhörer im gemütlichen Ambiente des mediterranen Bistros. Eingeladen hatten die Rodenkirchener Kulturveranstalter „blue“ zu dem eindrucksvollen Jazzspektakel vom Feinsten.
Der aus Transsylvanien stammende Musiker mit Kölner Wohnsitz lässt sich von drei unterschiedlichen Richtungen inspirieren. Aufgewachsen in Siebenbürgen, stecken ihm rumänische Volksweisen sehr nahe. Nach dem Studium der Klassischen Musik an Piano und Klarinette in Bukarest entdeckt er das Saxophon für sich. In seinen einzigartigen Kompositionen verbindet er Melodie und Rhythmus rumänischer Volkslieder mit Modern Jazz und Hard Bop. Dabei waren ihm grosse Komponisten wie Bela Bartok und sein Landsmann George Enescu Wegweiser.
Seit nunmehr fünf Jahren arbeitet er fest mit seiner Band „Balkan Jazz“ zusammen.
„Wir möchten mit unseren besonderen Musikveranstaltungen die Kultur in unseren Stadtteil holen“, so Peter Sörries, der zusammen mit Jürgen Bürger „blue“ auf die Beine gestellt hat.

Simantke, July 2004
The Fountain of Concerts
„I would like to introduce you to the most impressive two concerts of this month. While they were not large scale, each of them had substance rich enough to deeply enchant audiences. One is-----(omitted)“.
„The other is the „kammer jazz“ duo concert by Yuko Gulda(piano) and Nicolas Simion(saxophone). Kammer(chamber) jazz is a new breed of European free-style jazz, which we here in Japan have little opportunity to hear – free jazz in such a great style.
Kammer jazz is quiet different from American-style free jazz.
Because it adopts a lot of classical music elements, audiences only familiar with ordinary jazz might have felt alienated while listening to the first few pieces. Classical music fans too, might have had a similar impression.
However, as the program went forward, the duo fascinated and led their audience into an original musical world. The varied pattern of piano mode was hued with the improvisational coloring of the saxophone. For instance, the duo performed several pieces dedicated to dogs; various dogs cries were interpreted with the highly sophistecated technique of contemporary music but at the same time, they was also very entertaining. The mingled effect was very interesting. The audience was deeply moved and stimulated by their performance explored the best improvisatory means of expressing what they really wanted to show beyond the frame of classical and jazz music.
What was common to Yuko Gulda and Nicolas Simion was their eagerness to keep pace with the feeling of their audience; they were always ready to respond to the audience while they were playing. Able players establish good communication with their audience. It is regrettable that in many classical music concerts in particular, audiences are left behind while players just go on playing to display their high technical or compositional skills. Listening to the duo's performance, I learned what the attitude of future players should be; they should be able to throw tones into the audience and listen to the ripples they create among them.

Takeshi Saito, in "The Miyazaki Daily News", may 9th, 2001
Nicolas Simion Group: Trassylvanian Grooves(DVD) – 7dreams records
Auf diesem Live-Mitschnitt vom Internationalen Jazz Festival Viersen 2006 beweist der rumänische, seit 1997 in Köln lebende Holzbläser Nicolas Simion erneut, dass er der genuine Vertreter des Balkan Jazz ist. Ihm geht es um eine Synthese zwischen unverfälschter Folklore, Jazz und Klassischer respektive Neuer Musik. Mal überwiegt das eine, mal das andere Element.
Auf dieser DVD groovt – wie schon der titel sagt – vor allem de Balkan, in den typischen ungeraden, sich überlagernden, sieben-, neun- oder elf-taktigen Rhythmen. Mit traumwandlerischer Sicherheit wählt sich Simion immer wieder Musiker aus, die in dieser nicht unkomplizierten Art Musik zu hause oder sich einzufühlen in der Lage sind.
Zu seinen vertrauten sideman gehören der junge, überaus talentierte, ideenreiche, oft schiert überschäumende Pianist Florian Weber, der vielseitige und experimentierfreudige Gitarrist Norbert Scholly und dynamische, dabei feinfühlige und variable Alan Jones am Schlagzeug. Dazu kamen der virtuose und geradezu vor Energie vibrierende Bassist Sebastien Boisseau sowie Piotr Wojtasik, zur Zeit in Polen der gefragteste Trompeter.
Simion ist auf dieser Auswahl nicht auf dem Tenor, seinem Haupinstrument, zu hören, dafür auf sopran- und Bassklarinette, die er ebenso meisterhaft beherrscht, und – in einem rasenden Medley von tanzmelodien aus dem Banat – auf dem Tarogato, jenem tiefen und wärmer als die Klarinette klingenden “Holzsoprano”. Auf manchen Stücken wie “Love Song”, Hungarian Folk Song” und “Thinking of Bartok”(den er ebenso verehrt wie den rumänischen Nationalkomponisten George Enescu) zeigt Simion seine weiche, warme Seite. In “Romanian Boogie”, gleichsam einer Hora in knappem Top und Jeans, und in “Transsylvanien Wood” ist Simion das explosive, von ideen strotzende, in Free Jazz Phrasen ausbrechende Energiebündel, als das man ihn auch kennt und schätzt.

Dietrich Schlegel, “Jazzzeitung”, mai 2007
Balkan Jazz – Auf den Spuren der Folklore
Gespräche mit Nicolas Simion und Theodosii Spassov

„Aus den Schluchten des Balkan – Der Jazz entdeckt Südost-Europa“ konstatierte im Jahre 2005 der Jazz-Kritiker und –analyst Hans-Jürgen Schaal auf seiner Homepage „Schaal’s Site“ eine bemerkenswerte Entwicklung, die allerdings schon vor einer ganzen Reihe von Jahren begonnen hatte. Aber wann eigentlich und mit wem? Schaal meint, es lasse sich wohl nicht mehr feststellen, wer als Erster die Idee gehabt habe, Jazz und Balkanmusik „zu verheiraten“, und deshalb erkläre er kurzerhand Dusko Goykovich zum Vater des Balkan Jazz.

Tatsächlich hatte der im Herzen des damaligen Jugoslawien, im bosnischen Jajce von serbisch-montenegrinischen Eltern geborene Trompeter bereits 1966 die LP „Swinging Macedonia“ produziert, mit solch berühmt gewordenen, an Volkslieder seiner Heimat angelehnten Eigenkompositionen wie „Bem-Basha“, „Nights of Skopje“ und „Balkan Blue“. Auch später ging Goykovich immer wieder gern „back to the roots“, ohne jedoch die Verknüpfung von Jazz und Folklore zu einem Leitmotiv seiner musikalischen Karriere zu machen. Doch gehört – neben einigen einzelnen seiner Kompositionen - zu einem „Balkan Jazz“-Katalog unbedingt seine großorchestral angelegte Jazzsuite „Balkan Blues“, die am 14. November 1992 mit der NDR-Philharmonie in Hannover aufgeführt wurde (als Doppel-CD mit „A Night in Skopje“ 1997 bei Enja), nachdem sie bereits 1978 beim Belgrader Jazz Festival als „Jugoslavia Jazz Suite“ gefeiert worden war.

An einen anderen Ahnherrn des Balkan Jazz erinnert Nicolas Simion, der in Köln lebende rumänische Saxophonist, Komponist und Bandleader, der sich selbst zu einem der profilierten Vertreter dieses Genres entwickelt hat („Balkan Jazz und mehr“, Jazzzeitung 03/2005). Er spricht mit größter Hochachtung von dem bulgarischen Pianisten, Komponisten und nicht zuletzt Arrangeur Milcho Leviev (Jahrgang 1937), der von 1971 bis 1976 die ohnehin schon revolutionäre Big Band des Trompeters Don Ellis, des „Propheten ungerader Metren“ (H.-D. Grünefeld, Jazzzeitung 02/2001), durch seine Arrangements mit den für die Balkan-Volksmusik typischen ungeraden Takten und schnellen Tempi noch zusätzlich aufmischte. Simion: „Da gibt es Live-Aufnahmen, die sind einfach genial, das ist unglaublich, was Leviev da gemacht hat. Das war sozusagen die Geburt des Balkan Jazz, wie wir ihn heute kennen.“

Mit der Welle der Weltmusik und ihren „Unterwellen“ Latin, Cuba, Afro, Asian, Indian, selbst Aborigin überspülte uns bald auch eine Balkanwelle mit rasanten Gypsy Brass Bands wie den Fanfare Ciocârlia und den Taraf de Haïdouks aus Rumänien oder dem Kocani Orkestar aus Mazedonien, mit stimmgewaltigen Sängerinnen wie der mütterlichen Esma Redžepova aus Skopje. Einschlägige Filme wie ……….trugen ihr Teil zu einer allgemeinen musikalischen Balkan-Begeisterung bei. Und längst war über die Roma-Musik hinaus eine grenz- und ethnien-überschreitende Melodien- und Rhythmen-Melange entstanden, zu der sich auch noch eine Klezmer-Welle gesellt hatte. So war es aber eigentlich immer schon im Südosten Europas, mal mehr, mal weniger, je nachdem, ob Vielvölkerreiche oder Nationalstaaten in engeren Grenzen und mit engeren Stirnen über die Völker herrschten. Nur bei uns hatte man davon nicht viel mitbekommen.

In der allgemeinen Balkan-Begeisterung der neunziger und beginnenden zweitausender Jahre wurden viele der Folklore-Ensemble und Blasorchester zu Jazzfestivals eingeladen, obwohl – wie Nicolas Simion meint – die meisten mit Jazz nichts zu tun haben, im Gegensatz zu Hans-Jürgen Schaal, für den „auch dort, wo nicht ‚Jazz’ drauf steht, …oft eine Menge Jazz drin(steckt)“. Für ihn „hätte sich der Jazz auch auf Balkan-Basis entwickeln können – mit glühenden Improvisationen, verwirrenden Taktarten, wilden Tanzrhythmen und todtraurigen Balladen“. Dafür hätten „viele großartige Musiker“ Beispiele geliefert, schreibt Schaal, und zählt dazu auch Milcho Leviev und Nicolas Simion sowie den Zagreber Vibraphonisten Bosko Petrovic, den serbischen Kontrabassisten Nenad Vasilic und den bulgarischen Kaval-Spieler Teodosii Spassov.

Wenn jemand das Spezifische sowohl der Folklore in Südosteuropa als auch die Möglichkeiten ihrer Adaption im modernen Jazz erläutern kann, dann ein Jazzmusiker wie Nicolas Simion, der in einem siebenbürgischen Dorf in der Nähe von Braşov/Kronstadt mit dieser Musik aufgewachsen ist. Was hat es auf sich mit diesen komplexen Takten und Rhythmen, die auch Mittel- und Westeuropäer mitreißen, aber auch verwirren können oder bei langsameren Tempi emotional tief berühren? Simion in Köln im Gespräch mit der Jazzzeitung: „Einmal sind es diese ungeraden Takte, zum Beispiel 5/8, 7/8, 9/8, auch 11/8 oder 13/8. Die Musik hat sich nach dem Text, nach der Betonung der Verse entwickelt, und die verliefen meist nach dem Rhythmus ‚kurz kurz kurz lang, kurz kurz kurz lang’. Und so sind auch die Tänze dazu gekommen und das Element der Geschwindigkeit. Auch ist immer ein improvisierter Teil dabei. Die Leute spielen nicht zweimal das Gleiche, auch wenn das Lied immer erkennbar bleibt. Jeder Instrumentalist tut was Eigenes dazu, noch ein paar Triller drauf, ändert ein bisschen die Linie. Es ist ein wenig so wie in der indischen Musik, die entwickelt sich auch ständig, aber sie hat schon eine Basis, sozusagen eine Syntax. Diese Lieder, mal Liebes-, mal Trauerlieder, mal wilde Tänze, sind oft sehr frei und improvisiert gespielt. Zwischen ein paar einfachen Linien schwimmen die Musiker und die Sänger wie die Fische. Und so klingt eben jedes Lied, jeder Tanz, jedes Stück anders und doch wieder gleich, jedenfalls für Außenstehende.“

„Die Musik“, fährt Simion fort, und seine Stimme wirkt bewegt von Erinnerung, „war und ist eigentlich immer noch ein Teil der Gesellschaft in all diesen Ländern. Überall, bei Hochzeiten, bei Begräbnissen, bei allen möglichen Festen wird Musik live gespielt, auf der Straße, auf den Höfen, in den Häusern. Die Menschen singen und tanzen. Immer ist eine Kapelle dabei, und wenn es bei armen Leuten manchmal nur eine Geige und ein Akkordeon, ein Dudelsack und eine Flöte ist. Dann gibt es diese typischen Chöre wie in Albanien und Bulgarien, wo die Frauen in hohen Vierteltönen singen. In Albanien gibt es eine Art zu singen, da wird ein Dudelsack imitiert dadurch, dass einer den Grundton hält, dann kommt eine Quinte dazu und zwei, drei Frauen singen vierteltönig Melodien darüber. Die Musik in der ganzen Region Südosteuropas ist eben ungemein reich, und es ist kein Zufall, dass der große Béla Bartók und sein Kollege und Freund Zoltán Kodály diese Musik gesammelt, analysiert, transkribiert haben, unterstützt auch von dem mit den beiden Ungarn befreundeten rumänischen Musikethnologen Constantin Brâloiu. Diese großartigen Menschen haben gewusst, dass es dort einen Thesaurus der Volkskultur zu erhalten gibt, und sie haben ihn der Nachwelt erhalten.“

Überhaupt Béla Bartók – 1988, bei einem Zwischenaufenthalt in Budapest waren Nicolas Simion die Klaviertranskriptionen der 6000 Volkslieder in die Hände gefallen, die der ungarische Komponist zwischen 1910 und 1919 in Siebenbürgen gesammelt hatte. Er gab all seinen mühsam erschufteten Hilfsarbeiterlohn für den Erwerb der Hefte aus. Er war so fasziniert von der oralen Tradition dieser Musik seiner Kindheit und Jugend, dass er bereits 1991, nachdem ihm drei Jahre zuvor die Flucht nach Wien geglückt war, seine erste im Westen veröffentlichte CD mit dem Titelstück „Black Sea“ zierte – dem Schwarzen Meer nämlich war eines der schönsten rumänischen Lieder aus Bartóks Sammlung gewidmet. Von Bartók wie auch von dessen rumänischem Zeitgenossen George Enescu, der ebenfalls aus den Quellen der Volksmusik schöpfte, lässt sich Simion immer wieder inspirieren, wie es überhaupt seit Beendigung seiner klassischen Musikausbildung in Kronstadt und Bukarest sein Ziel sei, „die drei Elemente Volksmusik, Jazz und Klassik bzw. die Neue Musik des 20. Jahrhunderts in eine Symbiose zu bringen, mal überwiegt dann dabei das eine, mal das andere der drei Elemente.“

Simion verfügt über eine viel zu große Bandbreite, als dass er sich ausschließlich als Vertreter des Balkan Jazz sieht. Er komponiert auch Kirchenmusik, Ballettstücke, Werke für Sinfonieorchester und Jazzband, ist auch als Jazzinstrumentalist von Be Bop über Hard Bop bis zum Free Jazz in allen Sätteln gerecht. Aber davon unbeschadet begrüßt er nicht nur für sich vorbehaltlos die belebenden Einflüsse, die von der balkanischen und - weiter gefasst - der südosteuropäischen Volksmusik auf den Jazz in Europa bis hinüber in die Staaten seit den neunziger Jahren ausgehen. Und für Musiker, die in der Region leben oder aus ihr stammen, bietet sich eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und auch der Identitätsfindung. Bei den jüngeren Kollegen in Rumänien vermisst er allerdings die Weiterpflege der rumänischen und balkanischen Volksmusiktradition wie sie in den sechziger und siebziger Jahren mit großen, auch über die Grenzen Rumäniens hinaus bekannten Jazzmusikern verbunden war wie dem Pianisten Yancy Körössy, dem Pianisten und Bassisten Johnny Râducanu, dem leider schon mit 40 Jahren verstorbenen Pianisten und genialischen Komponisten Richard Oschanitzky oder auch mit dem Saxophonisten Dan Mândrila,

Die Musiker der mittleren Generation aber wollten amerikanisch klingen und amerikanische Standards spielen, was ja nicht verkehrt sei, „aber wie kann ein Rumäne besser Standards spielen als ein Amerikaner?“, beklagt Simion, der oft in seinem Heimatland gastiert, auch rumänische Musiker zu unterstützen versucht, aber eben merkt, dass bei denen wie beim breiten Publikum außer den klassischen Standards entweder modischer Jazzrock und Fusion oder billige kommerzialisierte Folklore besser ankommen als sein anspruchsvoller Ethno-„Balkan Jazz“, mit dem er sich inzwischen in unseren Breiten einen Namen gemacht hat. Mit anderen Worten: „Der wirkliche Balkan Jazz wird hierorts gespielt?“ Simion darauf lachend: „Genau so ist es. Es ist ein Paradox!“ Hans-Jürgen Schaal hatte schon 2005 festgestellt: „Der beste Bulgaren-Jazz kommt heute aus New York.“

Eine ironische Überspitzung, gewiss, aber mit den Definitionen im Jazz, ja mit dem Begriff Jazz selbst, ist es bekanntlich eh so eine Sache, und als just vor zehn Jahren und just dort, wo die Jazzzeitung jetzt Nicolas Simion zum Gespräch über Balkan Jazz traf, nämlich im Kölner Stadtgarten, die Deutsche Welle mit der „Nicolas Simion Group feat. Dusko Goykovich“ ein Konzert mit dem Titel „Balkan Jazz gab, aus dem eine wunderbare CD gleichen Titels entstand, da war der Bandleader, wie er jetzt eingestand, „von dieser Idee – ‚Balkan Jazz, Balkan Jazz’ – nicht so begeistert, war eher skeptisch wegen des Begriffs, aber mittlerweile merke ich, dass er schon irgendwie treffend ist.“ Und Simion verweist mit einigem berechtigtem Stolz darauf, dass er 2004 mit der WDR Big Band ein Konzert mit seinen, von Bill Dobbins arrangierten Stücken gab unter dem Titel – „Balkan Jazz“. Noch in diesem Jahr wird die CD bei NRW Records erscheinen. Und so freue er sich, dass auf diese Weise ein Bogen geschlagen werde zu dem, was damals in den sechziger und siebziger Jahren schon Dusko Goykovich und Milcho Leviev geleistet haben, zu Jazz unter Balkan-Einfluss, ob er nun Balkan Jazz heiße oder einfach nur Jazz.

Ähnlich flexibel und unbekümmert um Definitionen zeigte sich wenige Wochen vor dem Treffen mit Nicolas Simion ein anderer prominente Jazzmusiker vom Balkan, den die Jazzzeitung ebenfalls in Köln zum Gespräch traf, den bulgarischen Kavalspieler Theodosii Spassov. In der Ansage seines Konzerts hatte es geheißen, die Zuhörer würden „Jazz aus Bulgarien“ hören. Aber der immer freundlich und im Gegensatz zu seinem temperamentvollen Spiel zurückhaltend auftretende Spassov erklärte danach ganz ruhig: „Ich werde Musik spielen, die hundertprozentig aus Bulgarien kommt. Einige Leute sagen, das sei Folklore, andere nennen sie Jazz, wieder andere Zeitgenössisch (Contemporary). I don’t know what is the name of this music. It is Bulgarian Music. Enjoy!“ Knapper, aber auch liebenswürdiger kann man eine Definition nicht verweigern. Ebenso lakonisch sagte er im späteren Gespräch zur Frage: „Balkan Jazz?“ „ Maybe you can say Scandinavian Jazz or Indian Jazz or Japanese Jazz (lacht). Jazz is Jazz!“

Im Gegensatz zum Multiinstrumentalisten Simion beschränkt sich Spassov auf ein Instrument, die achtlöchrige hölzerne Hirtenflöte Kaval, eines der ältesten Instrumente Europas, wenn nicht der Welt, das er seit frühester Kindheit bei seinem Vater, einem Musiklehrer an der heimatlichen Dorfschule, lernte und später in Plovdiv an der Hochschule ausgiebig studierte, dabei sein Spiel nicht nur zu höchster Virtuosität führte, sondern auch einen völlig neuen, ganz eigenen, unerreichten Stil entwickelte. Diese Spieltechnik im Verein mit seiner hoch entwickelten Musikalität, seiner Improvisationskunst und seinem Einfühlungsvermögen befähigt ihn, eine Synthese aus traditioneller Folklore mit Jazz, Fusion, Pop und Klassik einzugehen, manchmal getrennt, manchmal hintereinander, manchmal verschmolzen.

Als ganz junger Mensch hatte er unter den traditionellen Instrumenten der Volksmusik das Kaval gewählt, weil er mit ihm romantische Gefühle verband, Schäfer, die mit ihren Herden durch Wälder und Auen streiften, in freier Natur und ohne Sorgen. Den natürlichen Klang der Flöte, wie er ihn als Knabe geliebt und zu spielen erlernt hatte, schätzt und pflegt er auch heute noch, natürlich sehr viel ausgebildeter, raffinierter, unglaublich virtuos und zeitweise höchst anrührend. Aber er vermag auch durch elektronische Manipulation die tollsten Effekte zu erzielen, so dass sich der Zuhörer fragt, wo aus dem kleinen Instrument der Spieler die schrägen Klänge hervorzaubert. Wieder lacht Spassov verschmitzt und verweist auf sein Geburtsjahr 1961: Ich wuchs mit der Musik jener Zeit auf, der Hippie-Zeit, der Musik von Jimmy Hendrix, Deep Purple, Uriah Heep etc. Und auf der Jazz-Seite gab es Hubert Laws, den amerikanischen Flötisten, und Jethro Tull, dann Roland Kirk, von diesen Leuten gewann ich als junger Mensch meine Soundästhethik. Normalerweise benutze ich den Originalsound meines Instruments, aber die junge Generation liebt noch immer sehr die elektronische Spielweise der Sechziger.“

Auf diese Weise kann er auf die speziellen Wünsche von Konzertveranstaltern eingehen. Wird traditionelle bulgarische oder Balkan-Folklore verlangt, stellt er ein entsprechendes Ensemble zusammen, mit den entsprechenden Instrumenten und den typischen drei Sängerinnen. Auf internationalen Jazz-Festivals wartet er mit einem Mix aus Balkan Jazz, Oriental, Rock oder gar Pop auf. „Manchmal trete ich mit einem Symphonie-Orchester auf, mit meiner Musik. Manchmal trete ich, wie hier in Köln, mit meinem Trio – Hristo Yotso, drums, und Rumen Toskov, piano – auf und spiele, was ich angesagt habe (lacht). Dann bin ich bei dem Ethno-Rock-Jazz-Gitarristen Vlado Stefanovski in Skopje. Danach wiederum in Sofia beim DJ-Festival ‚Drum & Jazz’. Ich war und bin noch bei den irischen River Dance unter Vertrag. Musik ist Musik! Man muss nur die Kleider wechseln.“

Auf die skeptische Frage „Aber Ihre Person, Ihre Persönlichkeit bleibt dieselbe?“ folgt eine fast bekenntnishafte Erwiderung: „Mein Kopf ist derselbe, mein Körper ist derselbe, mein Herz ist dasselbe, nur die Kleider sind verschieden. Manchmal sind sie traditionell, manchmal mehr modern, mehr zeitgemäß, es hängt vom Projekt ab. Als ich jung war, träumte ich davon, auf meinem Instrument mit allen Musikern aller Richtungen und Stile zu spielen, von der europäischen Klassik, über die Musik der östlichen Hemisphäre und Indiens, über den Jazz, den Rock, die Popmusik. Dieses mein Instrument zu spielen, bedeutet wahre Kommunikation, geistige Kommunikation mit anderen Musikern meiner Zeit.“

Und wie sich die Ringe schließen: Zu den anderen Musikern seiner Zeit gehören auch sein älterer Landsmann Milcho Leviev, der noch immer in Sofia aktiv ist, mit dem Spassov gelegentlich zusammenspielt und dem er auf seiner CD „Welkya“ (Nachteule) von 1992 das Stück „Manipulation“ gewidmet hat. Mit Nicolas Simion hat er vor vier Jahren auf dem Bukarester Jazz Festival in einem Billy Cobham Project zusammen gespielt, mit Dusko Goykovic im letzten Jahr auf dem Jazz Festival von Niş/Serbien – „ja, er ist sehr berühmt. Ich habe das Album ‚Balkan Jazz’ von der Deutschen Welle. Great Stuff!“ Auch das eine Definition!

Jazz-Zeit, September 2009
Transylvanische Glut und Schwermut – Nicolas Simion
Hallo aus Transylvanien“ lacht Nicolas Simion zu Beginn des Telefoninterviews. Und darin schwingt das Bewusstsein um die schaurigen Geschichten Transylvaniens mit, das umschlossen vom Karpatenbogen in Rumänien liegt. Siebenbürgen ist der andere Name, und das ist die Heimat des Klarinettisten, Saxophonisten, Taragot-Spielers, Komponisten und Bandleaders Nicolas Simion. Diese profilierte Musikerpersönlichkeit lebt seit über 2 Jahrzehnten in Köln, seine Wurzeln sind jedoch unverkennbar in Transylvanien. Und diese Herkunft hat er zu seinem Markenzeichen erkoren. So heißt auch seine neueste CD „Transylvanian Jazz“, für die er z. T. neue Themen geschrieben hat, die hörbar von der Volksmusik Transylavaniens inspiriert sind. Zudem griff er auf einige Stücke zurück, die er bereits vorher gespielt und aufgenommen hat, etwa „Transylvanian wood“ oder „Dance from Maramuresh“, das auf einen Teil Nordrumäniens anspielt.

Was kann man sich unter transylvanischer Musik vorstellen? Simion erklärt: „Die Volksmusik weist eine große Vielfalt auf, fast jedes Dorf hat einen eigenen kleinen Schatz von Volksliedern. Die Musik hat sich über Jahrhunderte dort entwickelt und diese Tradition wurde ganz stark beibehalten. Die Besonderheit zeigt sich in der Rhythmik, der Melodik, ja auch in der Harmonik.“ Wie unendlich viele Musiker seiner Generation geriet Simion anfänglich stark unter den Einfluss von John Coltrane, aber auch von Sonny Rollins und weiteren Saxophonisten der großen amerikanischen Tradition, die mit der speziellen Ausdrucksweise dieses Instruments untrennbar verbunden sind. Doch erst durch die Rückbesinnung auf die heimatliche Volksmusik, die vielfältigen Möglichkeiten sie mit dem Jazz zu verbinden, hat Simion seine eigene Stimme als Instrumentalist und Komponist gefunden. „Ich habe schon als ich noch in Rumänien war, bis 1988, versucht einiges an Volksmusik zu bearbeiten, zu arrangieren. Es ist mir aber erst richtig gelungen als ich dann nach Wien geflüchtet bin und einige Jahre dort gelebt habe. Da hatte ich mehr Distanz zu Rumänien und versuchte mit der Musik, die ich seit meiner Kindheit gehört hatte, eine Brücke zum Jazz zu schlagen, um meine Identität zu finden. Ich habe gemerkt, dass es im Hauptstrom des Jazz so viele gute Leute gab, ob in Amerika oder in Europa, dass ich keine Chance hätte, da noch etwas Besonderes beizutragen.“

Identität durch die heimatlichen Folklore

So wie die Mehrzahl der Großen des US-Jazz ihre Roots im Blues, Rhythm’n’Blues, Gospel, eben der aforamerikanischen Musik haben und dadurch leichter ihre Identität erlangen, fand Simion seine Wurzeln in der heimatlichen Folklore. Bereits 1994 legte der Saxophonist eine CD unter dem Titel „Transylvanian Dance“ vor. Er konnte bereits Anfang der 1990er Jahre für Peter Wiesmüllers Tutu Records einige Platten aufnehmen, etwa mit Tomasz Stanko oder Mal Waldron. Die Zusammenführung von Jazz und Volksmusik empfindet Simion als einen langen Prozess. „Das hat sich über die Jahrzehnte entwickelt und jetzt weiß ich mehr und mehr wie ich die verschiedenen Projekte mit unterschiedlichen Musikern durchführen kann.“ Für „Transylvanian Jazz“ zog er Musikerkollegen aus Rumänien, etwa den Zymbalonspieler Giani Lincan und den Gitarristen Sorin Romanescu heran, dazu kamen der ungarische Geiger Zoltan Lantos, die Bulgaren Martin Lubenow, Akkordeon und Boris Petrov, Schlagzeug, sowie den ursprünglich aus Mazedonien stammenden Bassisten Martin Gjakonovski heran. Sie alle sind mit den Rhythmen des Balkan vertraut. „Sie haben all diese Erfahrungen mit ihrer eigenen Tradition, die Musik von Osteuropa hat viele Gemeinsamkeiten. Die Rhythmen, die Art wie man mit diesen ganzen Verzierungen umgeht, bei langsamen oder schnelleren Tempi.“

In all den Jahren, in denen er in Österreich und Deutschland lebte, hörte er viel Lateinamerikanisches, Musik aus Afrika oder auch von indianischer Musik beeinflussten Jazz von Jim Pepper, die Weltmusik von Oregon während der letzten 3 Jahrzehnte, dann auch den ganzen Strom kubanischer Musik, ebenso Klezmer. Die hohe Akzeptanz dieser schillernden Musikverbindungen gab ihm die Gewissheit mit seinem Rückgriff auf die heimatliche Folklore auf dem richtigen Weg zu sein. „Translyvanian Jazz“ ist der bisherige Höhepunkt. „Wenn man mit einer so großen Besetzung, einem Septett, spielt, ist es manchmal schwierig eine gewisse Richtung zu finden, wo alles Raum hat und schön harmoniert. Wir haben verschiedene Besetzungen für die jeweiligen Stücke gewählt und etwas experimentiert. Drei Tage haben wir geprobt, dann sind wir drei Tage ins Studio gegangen, dort haben wir relativ viel Zeit gehabt und haben von den Aufnahmen natürlich die besten Takes ausgewählt. Jeder hatte für sich genügend Freiraum und die Möglichkeit sich zu präsentieren, sich selbst zu sein. Ich habe nur das Thema, das Arrangement, das Themenmaterial für die Soli vorgeschlagen, wie das im Jazz so üblich ist. Ich konnte die ganze Erfahrung der letzten 20 Jahre dabei ausnützen, zumal auch Musiker beteiligt sind, mit denen ich früher schon einige Projekte machte. In der Septettbesetzung ist die Musik sehr farbig, raffiniert sozusagen. Wir bewegen uns etwas weiter weg von der Jazztradition und gehen einen Schritt in Richtung Volksmusik, ihrem Charakter, ihren Stimmungen, überhaupt ihrer ganzen Atmosphäre. Es sind sowohl schöne, ruhige Balladen dabei, Wiegenlieder und Weihnachtslieder, dann aber auch fröhliche Tänze, wie man sie bei Hochzeiten hört.“
1988 verließ Simion Rumänien und galt zunächst als Feind. 1995 bekam er die österreichische Staatsbürgerschaft und konnte in den folgenden Jahren dann ein, zwei Mal pro Jahr nach Rumänien zurück gehen. Er spielte in seinem Heimatland mit dort ansässigen Musikern, lud sie ins Ausland ein, brachte auch Musiker aus Deutschland, Österreich oder Amerika mit nach Rumänien, und wurde damit wie von selbst zu einem Botschafter der Musik zwischen den Jazz-Szenen der jeweiligen Länder. Dieses Verdienst von Simion belohnte das rumänische Kulturinstitut in den letzten drei, vier Jahren mit der Unterstützung seiner Konzerttätigkeit in Berlin, Stockholm, Wien, Lissabon, Budapest, Prag sowie mehreren Einladungen zu Festivals. Willkommen waren auch die Fördergelder des rumänischen Kulturinstitutes Bukarest für die neueste CD-Produktion, der „Transylavanian Jazz“, der eine stark rumänische Klangfarbe aufweist.

Leise Wehmut, unbändige Lebensfreude

Der Verlust der Heimat erzeugte zunächst in Simion ein Gefühl der Zerrissenheit, zumal er sich anfangs in Österreich recht isoliert fühlte und sich an den Standard der Szene anpassen musste, also unendlich viel üben, immer wieder neue Projekte anbieten, um auf sich aufmerksam zu machen. „Die Anerkennung lässt sich nicht mit einer CD, geschweige denn einem Konzert erlangen. Das ist vielleicht ein kleiner Erfolgsschritt, aber der ist schnell wieder vergessen. Es geht um Qualität und Konsequenz im musikalischen Schaffen.“ Die österreichische Szene, die deutsche Szene, ja auch die internationale Szene boten Simion sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit guten Musikern, mit denen er auch auf menschlicher Basis gut kommunizieren kann, sich entfalten kann. Und diese zumeist sehr erfreuliche Zusammenarbeit und die Chancen gemeinsam die Musik weiter zu entwickeln, erkannte er als großes Glück, als Ausgleich für den Verlust der Heimat. Doch das Gefühl in der Diaspora zu leben, nährte auch seine Musik, in der oftmals Wehmut mitschwingt.

„In so einigen meiner Balladen ist eine gewisse Verlorenheit zu spüren, die tief in meiner Seele verankert ist, schon von Kindheit her, von den ganzen Erlebnissen und Erfahrungen, den sozialen Problemen. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in einer einfachen Bauernfamilie. All diese Erlebnisse kommen irgendwie in meiner Musik zum Ausdruck.“

Der brennende Weltschmerz floss aus der Trompete des Afroamerikaners Miles Davis, die leise Wehmut schwang in vielen Stücken von Stan Getz mit, der jüdischer Abstammung war. Doch nicht nur diese Introvertiertheit macht die Jazzmusik aus, zu ihr gehört auch die Extrovertiertheit, Wildheit, das Feuer, die unbändige Lebensfreude. Nicolas Simion akzeptiert diese Extreme des musikalischen Ausdrucks.

„Das gehört zum Leben, man kann nicht nur traurig, depressiv, bedrückt sein, es gibt auch Anlass zur Freude, Ausgelassenheit. Wir machen die Musik nicht nur für uns, sondern für andere Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, unsere CDs kaufen. Wenn sie ein, zwei traurige Stücke hören, dann spüren sie, dass sie fürs Erste genug haben und jetzt etwas Fröhliches, Leichtes, Schönes hören wollen. Wir decken die ganze Ausdrucksbreite der Musik ab. Jazzmusik ist Teil der gesamten Musik, der klassischen oder modernen Musik, sie bietet verschiedene Facetten, Arten sich auszudrücken. Der Rhythmus, die Freude, das tänzerische Element ist sehr wichtig. Die lateinamerikanische, die kubanische Musik leben von diesen Rhythmen, die irgendwie glücklich machen. Doch ich bin ein Jazzmusiker und ich habe mir gedacht, wenn ich diese Elemente der Volksmusik mit der ganzen Erfahrung der modernen Jazzmusik und der Klassik eines Bartók, Debussy, Ravel, Strawinsky zusammenbringe, dann könnte ich ein größeres, schöneres und eigenständigeres Klangbild malen. Ich bin stark von Bartók oder George Enescu beeinflusst, ich kenne deren Musik auch weit besser als die der französischen, italienischen, österreichischen oder deutschen Komponisten. Doch ich spüre, dass ich mich von meiner besten Seite zeigen kann, wenn ich intuitiv spielen, nicht an Strukturen denken muss, die ich schon verinnerlicht habe, mich auf mein inneres Gehör verlassen kann.“

Immer individueller und aussagekräftiger

Nicolas Simion ist davon überzeugt, dass er den richtigen Weg gewählt hat als Musiker. Er ist zufrieden, wie sich seine Musik, seiner Karriere entwickelt hat, er spürt, dass er durch all diese Begegnungen und Erfahrungen mit anderen Musikern als Musiker und Mensch weiter gekommen ist. Doch es kommen ihm auch Gedanken in den Sinn, dass es hätte ein bisschen mehr sein können, ein Mehr an Anerkennung, an Präsenz auf der Szene, an Möglichkeiten an Auftragskompositionen zu kommen. „Anerkennung will jeder Mensch haben, wenn er mit großen Einsatz etwas schafft. Wie sagt man auf Deutsch so schön: Ohne Fleiß kein Preis! Gut es gibt Leute, die mehr Glück im Leben haben, aber auf das Glück kann man sich nicht verlassen, es kommt und geht. Die Qualität einer Leistung wird sich durchsetzen. Ich habe in der Musik und in meinem Leben viel Glück gehabt. Es gibt eine gewisse Harmonie, eine gewisse Balance, das ist vielleicht die Goldene Mitte.“
Mit dem Erreichten gibt sich Simion nicht zufrieden, für ihn ist der Weg maßgebend, nicht das Ziel – vorausgesetzt es gibt überhaupt eines. Seine Musik hat auch in den letzten Jahren eine ganz andere Qualität gewonnen, sich nicht nur verbessert, sondern wurde auch viel individueller und aussagekräftiger. Das hängt u. a. damit zusammen, dass er das Arsenal seiner Instrumente ausweitete. Als Kind lernte er Klarinette spielen, danach kam das Saxophon, die Querflöte, das Taragot. Und damit stehen ihm jetzt weit mehr Klangfarben zur Verfügung, die je nach Charakter eines Stückes eingesetzt werden. „Seit drei, vier Jahren spiele ich mehr und mehr E-Klarinette und ich merke, dass die Klarinette eine gewisse Qualität hat, die man mit dem Saxophon nicht erreichen kann. Mit der Klarinette klingt die Musik viel wärmer, weicher und leichter. Für manche Stücke ist die Klarinette am besten geeignet. Ich bin Saxophonist, vielleicht kann ich mich mit dem Sopran leichter ausdrücken, das Sopran kommt der EKlarinette viel näher als das Tenorsaxophon. Das Taragot ist nur eine andere Art von Sopransaxophon oder Klarinette, etwas dunkler. Wir haben bestimmte Klänge schon von Kindheit an im Ohr, das ist unvermeidlich. Aber es ist gut, dass man so klingt, so spielt, wie man das hört. Ich habe auch erkannt, dass zu einem guten Jazzmusiker gehört, dass er ein guter Komponist, ein guter Bandleader ist, mit einem Ensemble eine eigene Richtung einschlagen kann, eineigenständiges Repertoire erarbeitet hat. Ich möchte noch sagen, dass die Musik, die ich mache, nicht unbedingt als Jazz, Folk, Ethno-Jazz oder ähnliches einzustufen ist. Sondern einfach als Musik, sie ist in der großen Sprache der Musik vielleicht nur ein Dialekt, eine andere Stilistik, andere Ästhetik, die über den Jazz hinaus geht.“

Text Gudrun Endress
Fotos: Christof Giese

Jazz Podium, September 2009
Jazz und Klassik bei der Kronstädter Philharmonie
Werke von rumänischen Komponisten in einer hervorragenden Interpretation

Die Kronstädter Philharmonie bot am Donnerstag, dem 8. Oktober, ein außergewöhnliches Konzert an. Jazz, Klassik und rumänische Folklore-Klänge trafen in überraschenden Rhythmen, Melodien und Harmonien zusammen. Ausschließlich Stücke von rumänischen Komponisten wurden gespielt: „Transylvanian Dance”, „Seven Dreams” und „Hommage a Richard Oschanitzky” von Nicolas Simion, das Konzert „Bassklavier” für Klarinette, Klavier und Orchester von Sabin Pautza und das Konzert für Klavier, Tenorsaxophon, Orchester und Big Band von Richard Oschanitzky. Sabin Pautza hatte kurzfristig als Dirigent abgsagen müssen und die Leitung des Orchesters wurde von Ovidiu-Dan Chirila übernommen. Als Solisten traten Nicolas Simion (Klarinette, Saxophon) und Florian Weber (Klavier) auf. Im Orchester spielten auch die Bass-Gitarre (Michael Acker) und das Schalgzeug (Ovidiu Nauncef) eine wichtige Rolle.

Nicolas Simion stammt aus Dumbravita und hat in Kronstadt am Kunstlyzeum und dann in Bukarest an der Universität für Musik studiert. Seine internationale Karriere als Saxophonist, Klarinettist, Dirigent und Komponist setzte er seit den achziger Jahren in Österreich und dann in Deutschland, wo er heute lebt, fort. Zahlreiche veröffentlichte Alben sowie Auszeichnungen krönen seine Auftritte und Werke, in denen die siebenbürgischen Volkstöne mit Swing und Groove verflechtet sind. Seine Zusammenarbeit mit dem 26jährigen Pianisten Florian Weber aus Deutschland ist bereits sechs Jahre alt. Florian Weber tritt sowohl in Klassik- als auch in Jazzkonzerten auf und ist dem rumänischen Publikum aus Kronstadt, Hermannstadt und Bukarest schon bekannt. Seine Phantasie, die Ausdruckskraft des Klangs und der Rhythmen sowie die exzellenten Improvisationen wurden auch am Donnerstag in Kronstadt warm applaudiert. In einer kurzen Rede vor dem letzten Stück betonte Florian Weber, dass die Kronstädter Philharmonie trotz aller finanziellen Probleme und der mangelnden Unterstützung seitens der führenden Institutionen weiterhin in erstklassigen Konzerten auftritt, was nicht selbstverständlich sei. Es sei demnächst auch die Aufgabe des Publikums, sich für das Weiterbestehen der Kronstädter Musiktradition einzusetzen.

Christine Chiriac

Kronstädter Zeitung, October 2009, Romania
Westwärts an den Balkan. Die schwierigen Pfade des Nicolas Simion
Ein knappes Jahrzehnt hindurch konnte sich Wiens Jazzszene mit einem der profilstärksten Saxophonisten Europas schmücken, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Mittlerweile ist Nicolas Simion weiter gezogen. Und tatsächlich scheint sein in Österreich entwickeltes Konzept einer Verschmelzung von Jazz und rumänischer Volksmusik in seiner neuen Wahlheimat Deutschland auf mehr und größere Ohren zu stoßen als hierzulande. Bei allen Gefahren, die dem ihm übergestülpten Marketing-Etikett „Balkan-Jazz" innewohnen.

„So richtig habe ich meinen Platz in Wien nicht gefunden." Nicolas Simion bringt die Gründe für seine Übersiedlung nach Köln ohne zu zögern auf den Punkt. Seit 1998 lebt der rumänische Saxophonist in der alten Römer-Stadt am Rhein, nachdem er zuvor bereits ein Jahr lang zwischen der neuen und seiner alten Wahlheimat Wien gependelt war. „Ich hatte 1997/98 das Gefühl einer kleinen Krise. Ich habe die österreichische Szene über die Jahre beobachtet und mir gedacht, dass ich nicht über die richtigen Kontakte verfüge, nicht die hierher passende Musik mache, ich nicht Teil der hiesigen Szene bin. Aber es gab auch einen musikalischen Grund: Die meisten Aufnahmen habe ich mit Musikern gemacht, die – zufällig oder nicht – nicht hier gelebt haben. Irgendwie habe ich nicht die richtigen Musiker getroffen. Mit den guten hatte ich nicht die Gelegenheit zu spielen, etwa mit Harry Pepl, mit dem ich unbedingt etwas machen wollte, oder mit Uli Scherer. Ich habe hier keine richtige Working-Band gehabt, nur immer wieder zwei, drei Leute getroffen, einen oder zwei Tage gespielt, dann war es wieder vorbei."

Dass Nicolas Simion in Wien nie wirklich heimisch geworden ist, dafür kann retrospektiv bereits der Jänner 1989 als Omen gesehen werden. Als er damals auf der Rückkehr von einem Gastspiel beim Warschauer Jazz-Jamboree und nach zweimonatigem Aufenthalt in Budapest über die grüne Grenze nach Österreich kam, entpuppte sich das Flüchtlingslager Traiskirchen nicht wie geplant als Etappenziel auf dem Weg in die USA oder nach Frankreich, sondern bereits als vorläufige Endstation. „Ich habe die Einwanderungsformulare für die USA und Kanada ausgefüllt, als ich aber im Juni 1989 politisches Asyl bekommen habe, dachte ich mir: 'Wozu nach Amerika gehen? Dort gibt es viel mehr Saxophonisten, die besser sind als ich, und die nichts zu tun haben.' Das war gut, weil ich ein paar Jahre gebraucht habe, um mir Klarheit darüber zu verschaffen, was ich kann und was ich will. Ich versuchte, handwerklich eine gute Basis zu entwickeln, das Konzept mit Folklore und Jazz hat sich langsam herauskristallisiert. Auf der ersten Aufnahme 'Black Sea' merkt man noch, dass ich auf der Suche war."

Immerhin war Wien der Ort, an dem Simion sich paradoxerweise seiner Wurzeln in jener Heimat immer stärker bewusst wurde, die er soeben hinter sich gelassen hatte. Noch in Budapest war er auf Bela Bartóks Klaviertranskriptionen rumänischer Volkslieder gestoßen; fasziniert von der Authentizität der oralen Tradition dieser Musik, die er teilweise selbst in seinem transsylvanischen Heimatdorf Dumbravita erlernt hatte, vertiefte er sich nun in Bartóks Lied-Sammlungen. „Black Sea", das erste, im April 1991 aufgenommene Album, das neben Hommagen an Charlie Parker, McCoy Tyner und den kurz zuvor verstorbenen Leo Wright auch drei auf Volksliedern basierende Piecen enthielt, indizierte Simions neuen musikalischen Fokus bereits im CD-Titel. Eingespielt wurde das „West-Debüt" freilich mit Musikern aus der entgegengesetzten Himmelsrichtung: Die jungen New Yorker M-Base-Granden Graham Haynes, Lonnie Plaxico und Ronnie Burrage, gerade mit Paul Zauners Blue Brass Connection auf Tournee, gesellten sich dem Saxophonisten bei. „Die Erfahrung mit 'Black Sea' war für mich, dass es schneller und effektiver ist, mit Leuten zu arbeiten, die mehr Erfahrung, die einen Namen haben. Das ist im Jazz-Business – leider – sehr wichtig. Die Produzenten sehen sich die Aufnahmen an und sagen: 'Ah, diesen Amerikaner kenne ich!' Wenn man aus dem Ostblock oder generell aus Europa kommt, kann die Musik noch so gut sein – das ist uninteressant."

Prompt fand Simion im bayrischen Tutu-Label einen Partner. Und so fügte sich eins ins andere: 1992 folgte der heute 42-Jährige dem verstorbenen Jim Pepper als Saxophonist im Quartett Mal Waldrons nach, 1993 wurde die CD „Dinner For Don Carlos" veröffentlicht, die Simion erneut mit teils hochprominenten Sidemen - Tomasz Stanko, Ed Schuller und Patrice Heral – hören ließ und noch heute zu seinen besten Aufnahmen zählt: Sie zeigt ihn in gelösten, weit ausladenden Linien, geistvoll fortgesponnen und mit jenem schwermütig-virilen Sound intoniert, der zum unverkennbaren Markenzeichen des Saxophonisten geworden ist. Coltrane reflektierend, hatte er hier den Klang der Musik seiner Heimat so weit verinnerlicht, dass er ihn auch ohne volksmusikalische Lied-Vorlage in jedem Ton in sich trug. Freilich war damit auch ein paradox anmutendes Konzept skizziert, das Simion bis zu „Nick at Night" (2000) durchhielt: Ost-Musik mit West-Musikern, bei beinahe gänzlicher Aussparung von in Österreich ansässigen Kollegen. Eine Reaktion auf die - siehe oben - für von außen Kommende oft wie eine geschlossene Gesellschaft wirkende österreichische Jazzszene, die Simion freilich weiter isolierte und daran hinderte, hierzulande Fuß zu fassen. Und zweifellos mit ein Grund dafür, dass er – seit 1995 österreichischer Staatsbürger - Anfang 1998, nach der wichtigen Uraufführung seiner „Canzonieri Sacrale" im Wiener RadioKulturhaus, sich erneut auf den Weg machte. Hatten seine ersten Jahre im Westen nicht doch auch eine gewisse Desillusionierung bedeutet?


Sanfte Desillusionierung im Westen

„Ich habe keine großen Erwartungen gehabt. Ich wollte nur weg aus Rumänien und mir selbst eine Chance geben. Am Anfang war ich ein bisschen enttäuscht. Weil ich dachte, es könnte oder sollte leichter gehen. Ich wusste nicht, dass es auch für die Einheimischen nicht einfach ist, viele spielen in Musicals oder Theater oder unterrichten, damit sie sich über Wasser halten können. Ich habe ein paar Jahre gebraucht, das zu verstehen. Als ich 1997 in Köln angefangen habe, habe ich gesehen, dass es auch hier nicht anders ist. Egal, ob in New York oder Rumänien oder Paris oder Wien: Der Jazzmusiker ist einer, der sehr viel investieren muss und oft sehr wenig zurück bekommt. Leute wie Art Farmer, Idris Muhammad, Jim Pepper, Leo Wright, die in Wien gelebt haben, waren hier auch nicht sehr aktiv."

In Köln, wo er schon im Zuge der Duo- und Quartett-Tourneen mit Mal Waldron gastiert hatte, habe sich für ihn, so Simion, vorerst nicht allzu viel geändert. Immerhin konnte er eine fixe Band mit im Ruhrgebiet ansässigen Musikern – Norbert Scholly (Gitarre), Martin Gjakonovski (Bass) und Kruno Levacich (Drums), phasenweise mit Zoltan Lantos (Violine) – formieren. Und mittlerweile ist Simion auch der Überzeugung, dass seine Musik in Deutschland auf größere Resonanz stößt. „Das ist in Nordrhein-Westfalen schon ein eigener Teil der Szene: Leute wie Renaud Garcia-Fons oder Bojan Z sind dort bekannt, Zoltan Lantos ist ab und zu mit seiner Band unterwegs. Charlie Mariano, der auch in Köln wohnt, hat viel in dieser Richtung gemacht. Dusko Goykovich, der jetzt in München lebt, hat jahrelang in Köln gespielt und in den 60er, 70er Jahren oft Balkan-Jazz-Projekte zusammengestellt. In Köln passiert viel um den Stadtgarten und den WDR herum. Der macht viele Studio-Aufnahmen und schneidet bei Festivals mit, die WDR-Bigband ist eine der besten in Europa. Es gibt eine starke Szene, viele Musiker, die kommen und gehen, Amerikaner, Franzosen, Schweizer, Holländer - es herrscht mehr Bewegung. Die Konkurrenz ist größer, aber auch die Chancen, es gibt mehr Geld, aber auch mehr Unterstützung."

Tatsächlich wäre es in Österreich wohl kaum passiert, dass ein Rundfunkunternehmen wie die „Deutsche Welle", das auch als Konzertveranstalter und CD-Produzent in Erscheinung tritt, Simion mit der Erstellung eines Konzert-Programms beauftragte und dieses – live im Stadtgarten aufgenommen – unter dem Signet „Balkan-Jazz" auf CD pressen ließ: Einzige Auflage: Dusko Goykovich, der große alte Mann des europäischen Jazz, kürzlich 70 Jahre alt geworden, sollte mit von der Partie sein. Um ihn und sein eigenes Quartett herum rekrutierte Simion ein siebenköpfiges Ensemble, das auch den indischen Perkussionisten Ramesh Shotam und den zum Zeitpunkt der Aufnahme erst 19-jährigen Schlagzeuger Tom Skinner inkludierte. Mit Rücksicht auf Goykovich fiel das Resultat etwas konventioneller, mainstreamiger aus als man es von Simion gewohnt ist, die Musik folgt stärker den Takt- und Perioden-Schemata als etwa auf „Nick's Night", dem anno 2000 veröffentlichten, grandiosen Trio-Opus, eingespielt mit Bassist Andy McKee und Drummer Billy Kilson. Nichtsdestotrotz ist „Balkan-Jazz" eine gelungene Arbeit: „Ursprünglich wollte ich Musiker und Stücke aus dieser Region zusammen suchen, doch dann verwendete ich primär eigene Kompositionen, die aber auf Volksliedern aus Mazedonien, Griechenland, Bulgarien und der Türkei basieren. „That's the Evening of Santa Claus" ist ein Weihnachtslied, das ich vor einigen Jahren in dem Dorf, in dem ich geboren bin, transkribiert habe." Ob Simion das Etikett „Balkan-Jazz" nie als Zwangsjacke empfunden habe, die seine Bewegungsfreiheit einschränke?


Auf Distanz zur Balkan-Welle

„Es war die Idee des Produzenten, und es passt zu dieser Produktion", so der Saxophonist, der sich jedoch eindeutig gegenüber der aktuellen Balkan-Brass-Band-Welle abgrenzt. „Ich wollte nicht auf dieser Klezmer- oder Wedding-Band-Welle wie Ivo Papasov oder andere aus der Türkei, aus Bulgarien oder dem ehemaligen Jugoslawien reiten, nur damit die Sachen schnell und lustig sind. Das ist keine authentische Gypsy-Musik, Ensembles wie 'Fanfare Ciocarlia', 'Kocani Orkestar' und 'Taraf de Haidouks' sind sehr kommerziell! Fast in jedem Dorf gibt es eine Fanfare oder eine ähnliche Band, und wenn ein Manager das entdeckt, der weiß, dass er damit Geld machen kann, dann fahren die wochen- oder monatelang überall hin und bekommen vielleicht ein paar Hundert Schilling pro Auftritt – was für Rumänien sehr viel Geld ist. Nach zwei, drei Monaten kommen sie vielleicht mit 10.000 Schilling nach Hause und leben ein ganzes Jahr davon. Es ist traurig, dass sich die Leute derart verkaufen, während die Manager 80 oder 90% der Gage kassieren."

Im November war Simion mit einem anderen Großen des osteuropäischen Jazz auf Tour: Im Zuge des Japan-Aufenthalts mit Yuko Gulda im Frühling 2001 war er auf Platten-Raritäten des Pianisten Yancsy Körössy gestoßen, des großen alten Manns des ungarisch-rumänischen Jazz. Wie Simion in Siebenbürgen geboren, war der heute knapp 76-jährige Pianist Anfang der 70er von Willis Conover in die USA vermittelt worden. Statt sich jedoch in New York zu etablieren, zog sich Körössy nach Atlanta zurück, wo er 30 Jahre lang Hotel-Bars und Restaurants beschallte. Bis ihn nun Nicolas Simion aus seinem Dornröschenschlaf weckte.

„Körössy hat in den 50er, 60er Jahren unglaubliche Sachen gemacht, auch mit Folklore. Und obwohl er traditioneller denkt als ich, hat er noch immer etwas zu sagen. In Kronstadt haben wir Balladen im Duo gespielt, das war ein Traum. Lee Konitz war für ein paar Konzerte dabei, wir haben auch eine Studio-Aufnahme gemacht. Lee ist 74 und ein Jahr jünger als Yancsy, weshalb er immer sagte: 'Komm, Opa!'"

Nicolas Simions Weg ist ein langsamer, aber beständiger. Und wo immer es sein wird, man kann guten Mutes sein, dass der Mann mit dem glühenden, kraft- und wärmedurchströmten Ton, den man wie nur wenige Saxophonisten am ersten Ton erkennt, seinen Platz finden wird.


CD-Tipp:
Nicolas Simion Group feat. Dusko Goykovich: Balkan Jazz
(Intuition INT 3339-2; Vertrieb: Edel)

Andreas Felber
Transylvanian Dance - Der rumänische Saxophonist Nicolas Simion im Gespräch mit Bernd Hoffmann
NS Ich bin ein osteuropäischer Jazzmusiker und ich denke, man soll die Tradition seines Volkes, seines Landes weiterbringen und durch diese Musiksprache dem Publikum vorstellen. Ein osteuropäischer Jazzmusiker hat hinter sich eine uralte Tradition. Also es gibt Rythmen, es gibt Skalen, es gibt sogenannte Ballando Rubato Musik, das sind diese Balladen, sind diese Tänze, die durch Bartok und Janacek und auch andere Komponisten populär gemacht sind. Also diese Rythmen, die Melodien und die Skalen, diese Intonation, also diese untemporierten Sachen, also wo man - das ist eine Welt die sich ...

BH Dumbravita ist ein kleines Provinzdorf im rumänischen Transylvanien. Hier spielen noch die traditionellen Tanzbands zu Hochzeiten, bei den Dorffesten und an den Feiertagen. Und es erklingen die typischen Musikstücke dieser Region, durch Überlieferung weitergebeben, von Generation zu Generation. Für den rumänischen Saxophonisten Nicolas Simion ist diese Volksmusik Ausgangspunkt seiner musikalischen Ideen, der Melodien, Rythmen und volksliedhaften Themen. Immer wieder haben Jazzmusiker den beachtlichen Fundus dieser Landschaft in ihren Improvisationen vorgestellt. Der ungarische Basist Aladar Pege, der jugoslawische Pianist Bora Rokovic oder die Trompeter Milo Pawlowic und Dusko Goykovich. Nach dem Studium am Bukarester Konservatorium drängt es den jungen Saxophonisten NS in den Westen. 1989 flüchtet er nach Wien.

BH That's Dope - das Quartett des rumänischen Saxophonisten NS in einer Aufnahme vom Mai 1994 mit dem polnischen Trompeter Tomasz Stanko und den amerikanischen Musikern Ed Schuller, Bass und Victor Jones, Schlagzeug. Transylvanian Dance, das ist die Überschrift dieses in Wien entstandenen Albums, das NS den Menschen seiner Heimat Transsylvanien gewidmet hat.

NS Schon als Kind habe ich sehr viel Volksmusik gehört und dann habe ich eines Musikschule besucht und eine Musikakademie und jetzt bin ich wieder zurück zu den Wurzeln sozusagen und mein Wunsch ist, eben so eine Mischung so eine Synthese zwischen diesen zwei Sachen zu machen, wobei diese Erfahrung von der klassischen ernsten Musik ist sehr wichtig und ich versuche zurzeit mehr und mehr diese improvisierte Musik heranzukommen. So habe ich immer wieder Stücke aufgenommen, die völlig frei und völlig improvisiert waren. Ja, die Folklore ist ein sehr wichtiger Teil in meiner Musik, ist nicht nur die rumänische Folklore oder transylvanische, es ist der ganze Balkan, es ist die afrikanische, die indische Musik also alles was halt vom Völker durch diese orale Tradition zu mir kommt.

NS Die Improvisation ist eigentlich etwas ganz Besonderes, da trifft sich der Komponist und der Interpret auf einer Welle. Das wünscht sich der Komponist eigentlich, wenn er ein Stück komponiert hat und ein Interpret braucht, das der sich mit seinen Gedanken mit seiner Philosophie sozusagen sich beschäftigt und die Message, als die Inhalt rüberbringen soll.

BH Der amerikanische Pianist Mal Waldron und NS - Art of the Duo, oder um es mit der Unterzeile des 1998er Albums zu formulieren - die große Rochade. Nicht nur im improvisatorischen Spiel haben sich der bekannte amerikanische Jazzmusiker und der rumänische Saxophonist gefunden. Ausgiebige Schachpartien haben diese Aufnahmen im Kölner Loft begleitet.

NS Mit Mal Waldron habe ich die Gelegenheit seit 1992 zusammen zu spielen. Es war die damalige geplante Tournee mit Jim Pepper und Mal Waldron Quartett. Da haben wir eine Tournee gemacht und es war eigentlich für mich eine große Herausforderung. Dann haben wir angefangen, zu zweit zu spielen immer wieder. Er hat eine Art zu begleiten wie sehr wenige Pianisten. Durch seine reduzierten Mittel, der macht so, daß du gut klingst und es ist für mich immer eine sehr tolle Sache, mit ihm zu spielen.

NS Mit 11 Jahre habe ich mit meinem erstem Studium angefangen, Klarinette und Klavier zu lernen. Das war in Kronstadt - Brasov, das ist in Siebenbürgen in der Nähe von Hermannstadt in den Karparten, also eine sehr schöne Gegend. Da gibt es sehr viele Sachsen, also da die Ungarn, und die Deutschen und die Juden und Zigeuner und die Rumänen, die waren sehr gemischt. Das hört man auch in der Musik, weil manche Dinge sind so fein gemacht, daß man nicht mehr weiß, ist das ein ungarisches Volkslied oder rumänisches oder deutsches oder wie auch immer. Mit 18 war ich fertig und dann bin ich nach Bukarest gekommen, habe ich mich für die Musikakademie entschieden. Und erst nachher so mit 20 habe ich das Saxophon entdeckt, wirklich entdeckt und die Jazzmusik und dann hat es noch zwei, drei Jahre gedauert, bis ich angefangen habe, mit einer Jazzband zu arbeiten, Stücke zu schreiben, zu improvisieren zu lernen und ein paar Konzerte in Cluj und in Festivals zu spielen. So ich habe sozusagen ziemlich spät angefangen, also mit 20, 21. Aber dadurch habe ich die Basis von der klassischen Musik und das hat mir sehr viel geholfen. Harmonielehre, Kontrapunkt, ein bißchen Analyse. Ich habe nebenbei auch eine Ausbildung als Dirigent gemacht, 4 Jahre, und privat Komposition unterrichtet, usw. - so ein echter Jazzmusiker.

BH Für das slowakische Volkslied wählt NS hier die Bassklarinette. Diese Aufnahme, 1998 in Köln entstanden, ist ein bewußter Rückgriff auf Elemente volksmusikalischen Improvisierens. Dabei treten harmonische Wendungen völlig in den Hintergrund. Hier gilt das Prinzip der Variation.

NS In den Jahren 1979, 1980 bin ich in Bukarest gewesen und habe ich mein Studium an der Akademie angefangen. Da habe ich mich das erste Mal mit der Jazzszene beschäftigt, geschaut, wer wo spielt, welche Art von Musik wie auch immer. Ich hab mir ein Saxophon gekauft und autoditaktisch angefangen zu lernen und 84 oder 85 habe ich dann meine erste Gruppe zusammen gebracht. Es war Klavier, E-Baß, Schlagzeug und Saxophon. Da habe ich angefangen, meine ersten Stücke zu komponieren. Selbstverständlich waren sie Mainstream-orientiert. Es waren sehr viele Blues-Stücke, manche Balladen, ab und zu habe ich z.B. ein Stück von Wayne Shorter gehört. Es hat mir so gut gefallen, daß ich etwas ähnliches komponiert habe. Es war eine Art von Sprache zu finden. Ich war auf der Suche. Es hat ziemlich lange gedauert. Dann 87/88 haben wir ziemlich viele Konzerte in Rumänien gespielt. Dann kommt eine Einladung nach Warschau - Jazz Jamboree - und von Warschau habe ich versucht, nach Wien zu kommen. Nach 2 Monaten durch einen Aufenthalt in Budapest habe ich das endlich geschafft in Wien am Westbahnhof anzukommen mit einem Saxophon und einem Koffer mit 10,- Mark in meiner Tasche.

BH Blues for Bird - NS und die amerikanischen Musiker Grahams Haynes, Cornett, Lonnie Plaxico, Bass und Ronnie Barrage, Schlagzeug. In dieser Wiener Aufnahme des Jahres 1991 mischen sich bereits erste Erfahrungen des Westens mit den traditionellen Elementen. Die Album-Überschrift "Black Sea" zitiert den Titel eines rumänischen Volksliedes, das der ungarische Komponist Bela Bartok in seiner Sammlung dokumentiert hat. Nicolas Komposition "Mr. McCoy", gewidmet dem amerikanischen Pianisten McCoy Tyner benutzt zwar eine ostinate Formel aus Bartoks Material. Der Saxophonist assoziiert sie aber eher mit eher mit einem Riff von Fredy Hubbard. Im eben gehörten "Blues for Bird", eine Widmung an Charlie Parker übernahm Simion eine Melodiephrase, die Red Mitchell während eines wiener Konzertes vorgetragen hat. Vier Jahre später entsteht in der österr. Hauptstadt Viaggio Imaginario, wieder mit Tomasz Stanko und dem Posaunisten Christian Muthspiel, Ed Schuller, Baß und Peter Perfido, Schlagzeug.

NS In Wien, die Szene war viel geschlossener, da gab es ein paar Möglichkeiten, sehr wenig Geld und bis ich dann die Sprache gelernt habe, bis ich ein paar Kontakte aufgenommen habe, es hat lange gedauert. Und bin ich dort bis eigentlich Ende 98, es war manchmal sehr schwierig. Ich war verzweifelt. ich wußte nicht, ob ich, was ich mache, gut ist und das und jenes. Es war so wie eine eigene Therapie. Also durch die Musik habe ich meine Gedanken, meine Probleme rausgebracht und die osteuropäische Szene in Wien ist ziemlich klein. Also komischer Weise Ungarn gibt es nur ein paar Musiker. Alada Pege hat früher in den 70er sehr viel gemacht. Aber sonst gab es praktisch keine osteuropäische Szene in Wien.

BH Im vergangenen Jahr erhielt NS den Kompositionsauftrag des österr. Rundfunks. Bei den Tagen der Neuen Musik wurde diese 7-sätzige Suite uraufgeführt. Der Saxophonist verband in dieser religiösen Komposition alte byzanthinische Gesänge und Lieder der orthodoxen Kirche. Der eben verklungene 7. Satz, Glas 8, basiert auf einem rumänischen Kirchenlied.

NS Es ist nicht leicht, von einer Phase zu einer anderen Phase zu geben. Ich habe angefangen, meine ersten Aufnahmen so wie Tribute, es gibt Stücke den Charlie Parker, den McCoy Tyner, den Leo Wright, den Red Mitchell, Bill Evans, usw. gewidmet. Dann habe ich versucht so mit 2. CD - Dinner für Don Carlos - ein bißchen auf die Ornett Coleman Schule zu gehen. Dann habe ich mehr und mehr Stücke komponiert oder arrangiert, die sehr viel auf der Volksmusik basieren. Gleichzeitíg habe ich auch so abstrakte Stücke oder sogar ganz ganz improvisierte Stücke aufgenommen. Ich meine, die Palette ist ziemlich breit. Inzwischen habe ich angefangen, ein bißchen Kammermusik zu komponieren. Ich hab ein Ballet aufgeführt 1996 in der Steiermark mit drei Tänzer und dem Bratislava Rundfunkorchester und einer Jazz Combo. Diese Jahr im Februar in Wien habe ich eine Uraufführung von einem 35-minutigem Stück für das Ensemble "Die Reihe" und einer Jazzcombo, die sich auf Kirchenlieder basiert. Ich versuche mich, weiter zu entwickeln. Diese Volksmusikelement ist sehr wichtig, aber ist nicht das einzige.

NS Ich versuche immer, etwas Neues zu entdecken, etwas Neues zu machen. Es kommt darauf an, welche Musiker dabei sind, mit welchen Künstler man zu tun hat. Ob die mehr für diese traditionellen Ideen zu Hause sind oder mehr freie Musiker. Wichtig ist, daß eine Kommunikation, ein Interplay, auf der Bühne statt findet. Manchmal hört man sehr gute Musiker, aber leider die zwei Sachen binden sich nicht sehr. Die Musik, die sie spielen, paßt manchmal nicht so ganz. Also wenn der Bandleader unklar ist, wohin der will, dann können die Sidemen eigentlich auch nicht sehr viel helfen. Für mich ist der Jazzmusiker einer, der ein sehr guter Interpret ist, einer der ein guter Komponist und einer, der wirklich Bandleader ist, also der weiß, was von jedem am besten heraus zu bringen ist.

BH Das waren die Jazz Facts im Deutschlandfunk - Transylvanischer Tanz - der rumäniche Saxophonist und Komponist NS im Gespräch mit Bernd Hoffmann.

NS Ich versuche, meine Stimme zu finden und ich denke gar nicht, ich brauche niemand kopieren oder niemand nach zu machen. Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich durch meine Sprache, etwas zu sagen. Das war für mich vielleicht schwieriger am Anfang, meine Stimme zu finden und ich war immer ehrlich und ich habe gesagt, ich spiele, wie ich spiele, das bin ich und Schluß.

Deutschlandfunk JAZZ FACTS
Interview with Nicolas Simion
Via e-mail From Cologne Germany – December 11, 2005

Cadence: “The first time I heard your playing, it was on the TUTU release “Black Sea” (TUTU #888-134). I was surprised that a musician from Transylvania (Romania) would so aptly demonstrate many of the staples of jazz modernism on that debut recording. Please comment.”

N.S.: Well, it was indeed my first recording date in Vienna (the “wild west”) as a bandleader. I remember listening to a gig in Vienna, April 1991 featuring Lonnie Plaxico, Ronnie Burrage and Graham Haynes. They were touring with the Austrian trombonist, Paul Zauner, and the music was pretty wild: some Roland Kirk tunes, a few standards and some free tunes. Anyway, I was just about ripe enough for a real rhythm section at that time! I had just finished a gig with some Austrian friends in the Viennese club, “Opus One,” which we recorded, and the result was okay – but not good enough, I thought. But when I heard that band, I knew that’s what I had actually been looking for!

It was my instinct that told me what to do…and I always follow it… I think it’s much stronger than my rational part –not that I am so stupid, maybe not… (ha, ha, ha!) But I just let the wild monkey inside me tell me what to do, and it is usually the best thing!

It was also pretty crazy for me, because I never played with these cats, and beside that—all the tunes were mine. I don’t know if I would be ready to play with them! You can maybe imagine how it was… I was coming directly from Romania (January 1989, escaping actually in October 1988 from the bullshit Communist system), where I had a group and played once in awhile but the level was modest, and I was always looking to meet some world-class players—some real cats! It was like being in heaven for a few hours… It was also an exam for me, forcing me to take a “giant step” forward, just trying to play the music natural and relaxed—as it should be! Of course, there was some stress for me, but all in all it came out wonderful in the end!

I have to say that they were pretty nice and accommodating…trying to understand what it was I was looking for and supporting me! I have to say one more time, “thank you again, you guys”! it was my first date and we did it in one afternoon, in like five or six hours in a studio in Vienna.

Now about the repertoire: I had played those tunes before, and I kind of like the structure of a group without a chordal instrument. I was fascinated with Ornette at that time. Even though the tunes were more mainstream and bebop oriented, and I wanted to “open them.”

I was going for abstract truth! Of course my heroes—Pres, Bird, Trane, Ornette, Sonny, Joe Henderson, Dewey Redman, Wayne Shorter, Clifford Jordan and many others were there in my mind.

I remember the tragic situation of Leo Wright, who was on his way to the doctor and fell asleep in the tram and it was….forever! so I wrote a ballad that sounded pretty dark, being inspired on one hand by “Lonely Woman” by Ornette, and on the other hand, having a folk touch, being inspired by those unknown folk players from the Banat area of Romania, who are amazing musicians. At that session I played for the first time some “quotations” of folklore patterns.

And it was great! After “Song for Leo” we recorded “Solomon,” and Lonnie did an intro…hey man, he was right there taking the mood from “Song for Leo” and expanding it into the next song—really amazing! So a lot of things were going on in my musical universe that I was looking to put into the music, and I think it came out pretty good! Not to forget my love and respect for Bela Bartok, who I had discovered as a musicologist and folklorist at that time, and from whom I learned thousands of folk songs! I am still amazed at how much love he put into those tiny songs, collecting and transcribing them and letting us know how the folk (traditional) music of that time was sounding! For him it was the real thing…listening to some simple people who were singing or playing from the bottom of their hearts! And that is it, actually; you cannot just play your horn even if you have a relative mastery over your instrument. You have to say something more, tell a story, put your feelings and yourself into the music, or at least in between the notes (as Ornette once said)! So I selected seven songs to cover different moods—fast, slow, medium tempos, a ballad, modal things like in “Africa,” “Solomon” and “Black Sea,” having rhythm changes on “Red” and a “Blues for Bird” in there. So for me it was like paying my dues to the great jazz tradition. It was a great interplay and the musicians just took my ideas and my wishes and interpreted them in their own way! Graham is a strong chromatic player. You can still hear his experiences with Steve Coleman and ”Five Elements.” Lonnie, a great bass man, is making the music sound so fresh and harmonic. And Ronnie, a very fine drummer, could play all those hip grooves and rhythms in a very creative way. A real strong rhythm section!

“I have also to say ‘thank you’ to Peter Weissmueller of TUTU Records for producing the “Black Sea” CD and giving me the chance to say something in my own way. It was actually also my first project as a producer. In between I was learning a lot by doing…every time look for better results, for more concentration into the music, for the essence! Where am I …after 25 years of experience? Probably in the middle of the song---just taking the bridge.”

Cadence: “I gather that despite the repressive era in which you grew up in Romania, you still managed often times to hear some modernistic jazz?”

N.S.: It was not easy! When I started to get into the scene in Bucharest I knew nothing about jazz at all! There were just a few musicians and some fans, all in all let’s say…less than 100 people in all of Bucharest who met sometimes and were really interested in the music. I didn’t know much about music and what modern jazz was like---free jazz! I mean, everything was “outside”—free. But for a young person who did not know anything about the history of jazz, modern jazz was just---crazy shit! I just knew a few names, like Satchmo, Charlie Parker, Ellington, Coltrane and Miles.

“Slowly I got hold of some recordings and got some orientation of who was who. And who did what. Here I want to say that I was learning a lot from Mr. Mihai Berindei, a beautiful person, a real jazz aficionado and amateur musician. He was actually a sound engineer at the state broadcasting corporation and sometimes he was recording also for Electrecord, the state record company, a monopoly!

“He had a bunch of tapes from the American Library in Bucharest---records, books, music, etc. he played piano, trombone, trumpet, the saxes---almost every instrument, a real talent! And he loved Dixieland and swing, coming musically from the pre-Parker be-bop era! Both of his sons played alto sax and bari!

“Stefan Berindei, a fine alto and soprano player, was very active during the late 60’s and the 70’s in Romania. In 1975 he left for Germany and started to work as an engineer yet still remain active, playing as a hobby. In Bucharest he played with the best people at that time, who were just a few… I will name guys like Jancsy Korossy, great piano player! He was maybe the greatest improviser we ever had. He is still alive, almost 80 years old, and is still swinging his ass off. He lived for more that 30 years in Atlanta. We did a few concerts and a few recordings a few years ago. We had a duo recording (“Live in Transylvania”), a great recording (“Sweet Home”) and a quintet with Lee Koniz as guest (“Live in Graz”). All of them were live recordings. Richard Oschanitzky was another genius—a composer, arranger and keyboard player, who played organ and vibraphone in addition to piano. He wrote chamber music, orchestral pieces, sonatas, vocal music, an oratorio, film music, and one great double concert for piano, tenor sax, orchestra and big band. He wrote that particular piece in 1969 and recorded it with tenor saxman Dan Mandrila in Leipzig.

I was the first player who ever played the masterpiece live, in November and December 2004 in Iasi, Bucharest and Brasov, with his brother, Peter Oschanitzky, conducting. It is a really great work—amazing music!

There were also some other player like Dan Mandrila (sax), Marius Popp (piano), Johnny Raducanu (bass), Eugen Gondi (drums); Nicu Farcas (tb), Alex Imre (cl, alto), Aura Urziceanu (voc). Just a few Romanian records were on the market, a short series of jazz history and some combo records, trio, quartets, etc.

Also, I heard by accident some groups and a bit of live music in some restaurants and hotels, where the first set consisted of a more jazzy repertoire, but it was more like bossa novas (Latin tunes) and some easy jazzy dance tunes—swing, Broadway songs and be-bop tunes. “The only time I heard anything new was on the radio shows. And I think the show, “The Voice of America” and “Radio-free Europe.” These were the only up-to-date sources from which we could get some information about many things but also about music. Mr. Willis Cannover did a real great job there. He seemed like a typical American guy, a friendly and charming cat, and the music he played on the air was burning. Some Romanian musicians had some friends aboard, and they got tapes or records, but usually we could not find modern jazz recordings on the market, except maybe a few Polish groups, an occasional Cuban, and some Eastern European musicians from Hungary, Czechoslovakia, Bulgaria, Russia, the DDR, etc.

Very few people could travel outside the country. Sometimes they got some work in the restaurants or hotels aboard, and they brought some new stuff—but they were not really jazz musicians, they just played dance music and café concerts. Of course, when some big acts took place, like the “Friendship Ambassadors” with American musicians, the halls were full because the music was hip. And the idea of freedom—from that music—was something that we were all looking for, and the atmosphere was great, a lot of energy in the air.

I heard some people talking years later about some concerts in the late 60’s and 70’s in Bucharest with Louis Armstrong, Duke Ellington with Ella, Mingus, Monk, Gerry Mulligan, Dizzy, Charles Lloyd, Art Farmer and Slide Hampton, etc. Actually, I cannot say that I suffered in Romania from the stupid communist because I was watching, listening to or playing jazz music. It was more that the isolation was so strong, that we were like on an island…in the middle of nowhere!

Sometimes I felt like it was the big prison. We could live free, but they had us under control. You never knew with whom you were talking. It was enough to have an enemy who would just say that you were mocking or you told some jokes about the regime or about Ceausescu—then you could have serious problems immediately—really stupid! I mean, all those mother-fuckers are still there. They made the big money and are corrupt. They sold almost everything Ceausescu left behind him. Banks, hotels, factories, all they could get. I mean, the Communist Party and the security people—they are now the business cats of today—millionaires! Unfortunately, it is a disaster. But I don’t know of any jazz musician who got rich …yet!

The way the societies are developing is so strange—and so fucked up! it is not only Romania and the Eastern countries. Looking at what has happened today, it is terrible—a bunch of liars and terrorists. And the thing is who really are the terrorists? Can you tell me? Politics is a bitch anyway! And all the politicians are idiots—getting the power and making wars. Is that right or what? Lets do more music and try to make people happy, let them smile and enjoy their lives. What they used to say in the late 60’s, “Make Love Not War”!!! it is as pertinent as ever nowadays.

So, somehow, I was like a young explorer—looking for my own way through the jungle. As you can see, I was and still am a rebel. It was more “learning by doing” than really studying with somebody, or imitating something. Of course, all I knew about classical music and my experiences in Romanian folk music helped me. But how to swing and how to improvise, or how to write tunes was more an autodidactic thing, and I am very fortunate to have found my own voice and to have developed a personal language, I would say, if I am not being too immodest! “What I can say is that when I am playing my music, it is like getting high…and getting to those places out there. There is no better place for me. That’s the real love and I am happy that I am still learning all the time! I love people and playing music is the best thing I can do for them.

Cadence: What if any commonalities do you find in the folk music of the Balkans and Jazz?

N.S.: Well, I think there are some commonalities. First of all, the strong rhythm feel, the simple melodies, the modal way of comping….the scales and the way the folk music has been developed. From the spoken tradition (instrumental and vocal) and it is always a bit improvised! Every interpreter (musician) has his own way of playing the same repertoire, so you can say that they are also jazz musicians. They are grooving, improvising, composing.. and being themselves…..they are having a lot of fun, whether playing dance music or playing for some different occasions like weddings, mourning songs/funeral, love songs or dances for all kind of festivities!

Cadence: Ed Schuller has been such a constant presence on a number of your recordings…….. Please comment?

N.S.: Yes, Edi was and still is one of my friends and we have had a lot of fun playing together. We did a few tours and recordings with the late Mal Waldron Quartet (with Victor Jones on drums) for Tutu Records, too. We met in December 1991 when I first recorded “Dinner for Don Carlos” with him, Patrice Heral and Tomasz Stanko in Vienna.

It was a funny night session, because during the day, the studio was busy and we could only record after 9 o’clock in the evening! So we did it and it was really great – a short session of only 5-6 hours! Edi is a very fine musician, very creative. You don’t need to tell him what to do, but if you want a special thing, he will get it, even if you want it to be complicated and “ugly”!

He has a lot of respect for the leader and his music. He always tries to be an “organic” part of the music, staying on the spot. He likes to sing during his solos. Some people like that, some do not. I kind of like it. He is a bit a “rock guy” because he likes to groove and slap his bass…he likes to hang and…have a joint when the mood is right…as we all do.

We also recorded “Transylvanian Dance” (with Victor Jones on drums and Tomasz Stanko on trumpet), “Viaggio Immaginario” (with Stanko, Peter Perfido (drums), Jamey Haddad (percussion), Christian Muthspiel (trombone), “Oriental Gates” (with Victor Jones on drums and Mircea Tiberian from Romania on piano)”. “Luca’s Dream” with Patrice Heral and Victor Jones on drums, each played half of the session.

Cadence: Did meeting some of the American ex-patriots have an influence on your playing?

N.S.: Absolutely! I first met Art Farmer in Vienna, who I like very much. He was a real gentleman and a very fine musician, a great leader. I started to take some lessons with him…just bringing him some recordings I did and some compositions. Talking about forms and arrangements, about music, actually, he had great taste

Then I met Idris Muhammad with whom I played with once in a while. A strong drummer and a groovy guy! I first understood what it means to play a duo – sax and drums – and to keep the high energy.

I also met Leo Wright; unfortunately, he had some health problems at that time and was not able to play at his peak as before, but he was also a sweet cat, always laughing and always having fun! Jim Pepper was also in Vienna for a while! I even met and played together with him! The first time we got a gig, for me it was like “hearing him” through my soloing. He had a great sound blowing you right away! I like his music and voice. Sometimes it was kind of “easy listening”. The native Indian folk song was a great thing, people used to sing with him…”whichi tai to” and some other of his other hits!

In 1998 Edi and his father, Gunther Schuller (arranger & conductor), did a great recording called “The Music of Jim Pepper” with the WDR Radio Orchestra and Kirk Lightsey (p), George Schuller (dr), Bill Bickford (g) and me on saxes.

Later, I met Mal Waldron, with whom I played for a few years in quartet and duo. And we went to Transylvania in 1998 for a festival in trio with the great vocalist Jeanne Lee! From Mal I learnt how to be relaxed and how to keep the groove, to “stay in the pocket”… his music was pretty simple but very strong and very powerful! We used to play chess during our trips, he was a great human being, a great musician. He liked to play Monk’s music, too. He use to play a lot of “pedals”, having a tonal center and moving around.

Lately I met Charlie Mariano and Lee Konitz, who both also live in Cologne! We played together in different projects. Lee is a very sensitive musician! He doesn’t like the “money notes” or the “Shmaltzy sounds”…. He is a cool man. He likes the dialogue, the interplay in the music.

We did 3 or 4 recordings together and the last one was really great, playing some of his tunes, some of mine and a Tristano piece, “375 Street” – a real great arrangement he recorded with Lennie Tristano and Waren Marsh in the 50’s! it was a great opportunity to play and learn from all these cats, just being around them and listening to their music was the best school for me!

Cadence: Please talk about Mihai Berindei and his importance to Romanian music?

N.S.: “Onkel Mihai”, as we use to call him, was a nice person who was ready to help all the young people who were interested in jazz music, I would say that he was my first teacher, the first person who really helped me to get some orientation about jazz music. He gave me tapes, music transcriptions. He was jammin with us almost every Sunday morning. So instead of going to church on Sunday morning we (just a few young enthusiasts) went to Onkel Mihai, listened to some rare recordings, talked about jazz and improvisation, jazz history and of course, we played.

All that happened in his apartment, where he had all kinds of instruments: and upright piano, saxes, trombone, trumpet, guitar, books, scores, music, records, tapes that was his music room!

He did a lot for the Romanian jazz community: organizing concerts, making jazz auditions almost every week (playing records and talking about jazz history, doing kind of lessons about improvisation, music styles, and also doing portraits of all great jazz musicians, playing their music (recordings, or special compositions). Sometimes he came with many different version of the same tune…just comparing all those great interpreters. Then he did a bunch of recordings, as a sound engineer and an actual producer. There are a few records on national “Electrecord Company” with the jazz history! Also, he did a lot of radio broadcasting shows with American and European jazz. He helped to organize the first jazz festivals in Romania in Ploiesti in 1969 and a few years later in Sibiu, which is lately the one and only international jazz festival in the country! Everybody in jazz scene knew him, met him here and there.

Cadence: Your classical background is quite extensive including conducting studies. What would your life have been like if you had opted for a classical career in Romania?

N.S.: I think it would be a little disaster. Not because I would resist playing classical music, but because when you are a young musician and you dream you are going to make great music (even your own) and you are confronted with an institution, let’s say an orchestra, in a corrupt scene where almost all the connections were like, “the son of Mr. X, the daughter of the Y”, then you see how hard it is to do great interpretations and to be yourself, you cannot do much ! I knew what I was looking for, and thought in jazz music I found the right direction for myself.

Except for a few great talents who left the country over the decades, and had success (conductors, composers, singers) just a few did something really great inside Romania! I mean all the players were at one point a bit limited, so you cannot hear differently and play differently. Either you stay there and your suffer, or you go somewhere else and fight with the big lions to get recognition from the top players and record companies, journalists, etc! Now things are getting better, let’s just see what’s going next !

Cadence: Prior to the TUTU recordings – you had a successful jazz band in the form of “Opus 4” – please delve into that part of your career…..

N.S.: This was my very first band, and I have had a ball composing music for it and arranging a few gigs and playing in some funny places. We started in 1985 in Bucharest, where I was living after I finished at the music conservatory in 1983. It was a great experience, learning by doing. At that time I started to make compositions (with Mr. Nicolae Coman) and orchestra conduction (with Mr. Constantin Bugeanu) private lessons, and everything came together! I knew I needed to be active and put a lot of energy myself and even convince some other musicians to come on that trip with me! I started with Puiu Pascu on piano (a really great talent), Virgil Popescu on e-bass (who is now one of the very successful pop composers in Romania) and Titi Herescu on drums (a very quick drummer). After one year I met Mircea Tiberian (piano) who moved back to Bucharest from Timisoara, and we started to play together with a new rhythm section. Catalin Rotaru was on bass (still a student at that time) and Eugen Nichiteanu on drums (also a great talent), later Billy Bontas (who lives in Germany now)! Two years later in 1987, we invited the greatest sax players in the country, Mr. Dan Mandrila, to join us and he did. For me it was a giant step, because I was learning a lot playing with him. I was too shy to play tenor beside him because I knew I was not ready yet, but I played soprano, bass clarinet and even flute or baritone sax.

In 1988 we were the best band in the country and played a lot (for the Romanian scene). We even started to get some invitations and play abroad. We played five days a week in a kind of hotel lobby, what they called a jazz club, at the “Hotel Nord” ..the only club in the country! Just because the owner was a jazz fan, he helped us to play there and have some guests, do some sessions once in awhile, etc. at that time I started to see and hear something else: I knew that I needed to play with some real cats and share the music stand with them, doing better music, going deeper inside the music and myself. Around that time I met Randy Brecker, who played with his band in Romania, Albert Mangelsdorf, Heinz Sauer and Bob Degen, Aldo Romano, Philipp Catherine, and some other cats who came to Romania to play.

When Kaszimier Jonkisz from Warsaw (who played n the Sibiu Festival 1988) invited me to play with his band in the Jazz Jamboree Festival, I never came back until I got my Austrian citizenship in 1995. it was hard to escape at that time, but after more than 2 months, being in Warsaw and Budapest, I arrived in Vienna with one bag my instruments and 10 Deutschemarks in my pocket! So, “Opus 4” was a good start, and I still play once in awhile with those musicians, having fun and remembering those funny days!

Cadence: You are such a prolific composer? How, do you write music? There is a sizeable amount of recordings that you have made, which were never widely distributed-please comment?

N.S.: Well, I don’t know…I would do much more writing, but who is paying me for that?…ha…ha..! No, from an early age I had dreamed that I could write my own thoughts and feelings. This was my dream and I am still working on it. I was lucky to get into music and it was my darling mother who sang for us children and gave me the chance to start studying at the Brasov School of Music at the age of eleven. Later, I got the feeling of putting all those beautiful and sorrowful vibes into the music…between the notes… between the lines…. For some reason, it is like an island for me, another world, where I still can dream and get out every and any time. I can be like an alien, if I can say that! Maybe it sounds strange, but sometimes, I feel like that.

How do I write music…? It is always different. Sometimes when I am walking and whistling something suddenly, I get a line, a tiny melody, and I will notate it and later work on it. Other times, I may be sitting at the piano and playing some music, getting inspired, and go from that mood. Also, when I am listening to some great recordings, nice and sophisticated pieces, I try to get the same feeling at that particular tune. I have to say that (like everybody) I have my favorite composers. If I have to write all their names it will be too much. But just a few of the composer I like are Gesualdo, Bach, Schubert, Wagner, Brahms, Mussorgsky, Debussy, Ravel, Scriabin, Bartok, Stravinsky, Enescu, Berg, Ligeti, Gershwin, Strayhorn, Monk, Bill Evans, Ornette, Shorter, Trane, Oschanitzky, Nicolae Coman, Sabin Pautza, etc. All the traditional folk music from all over the world…. those great unknown players, singers and composers who put their feelings into the wild and true music they did.

Now, I was looking for a combination and to do a synthesis of the Romanin traditional music with the “modern music” experience and the jazz feeling. How much and where I was more or less inspired, doing that is another question. Sometimes I think it is not me who is writing the music, it is somebody else telling me what and how to do it. Maybe Jesus, maybe that cosmic energy, maybe Buddha, maybe you! I am not at the desk every day and making “exercises” even though that could help maybe. I keep trying all kind of pieces. I need more time to go deep into something. I do not write “background” music either or “supermarket” noise, easy-listening shit! I am going for something more, something that will maybe move somebody else, giving a thrill as it thrills me when I am writing or playing it.

Now regarding the distribution of the CD’s: That’s another part of the music business, actually of the record companies. Because almost all the record companies where I did recordings for are small labels. They don’t have the money to do a lot of promotion and also, they don’t have “big names” in their catalog. So the distributors may take some of the new releases, keep them for a few months on their list and then they will disappear forever. You can maybe, order it direct from the company or from the artist through the internet.

That may be normal, because there are so many CD’s coming out every week. So there is no place and no time to keep them too long. I will just name a few rarities of my CD’s like:

• “Luca’s Dream” on GM Recordings (USA) produced by Gunther Schuller,

• “The Big Rochade” (in duo with the great Mal Waldron) on Tutu Records (Germany)

• “Nick at Night” (in trio with Andy McKee on bass and Bill Kilson on drums) on PAO Records (Austria)

• “Live in Graz” featuring Lee Konitz and Jancsy Korossy on piano on ORF (Austria)

• “Live in Transylvania” in duo with the Great Jancsy Korossy on “Portik Jazz” (Pannon Jazz in Hungary)

• “Balkan Jazz” feat. Dusko Gojkovich on trumpet on “Intuition Records”(Germany)

• “The Wild Dogs” and “Live in Berlin” on my own label in Romania (7 Dreams Records”, etc.)

Time will tell, what will remain at the end. But they will sure say, he comes from a strong tradition. Whether it is folk music or jazz or whatever, comes and goes, he was here. Where is he now?

Cadence: The city of Vienna was a pivotal place for you musically. Please talk about your relationship wit Vienna?

N.S.: Yes indeed, I like the town and the music and the people there! Sure Vienna is first known as “the city of music”. Everybody wants to go and play there and get the feeling of that great Viennese classical music. For me it was clear from the very beginning that there would be no chance with classical music. But I thought my chances would be better with jazz music. It took me awhile until I met and played with the right musicians and I still keep in touch with some of them. As we all know, every scene has some “cliques”. Where you are not going to get in so easy. Why and how? That’s the big question. But it’s the same everywhere. It is still as before, nothing changed, you have to decide if you stay with the local scene and get small gigs. Or if you risk waiting for the big acts, if they will ever come. So you have to take the risk.

People like Art Farmer, Idris Muhammad, Jim Pepper and many others have had to get their own projects and groups going on because they didn’t really get invited to play much with some local musician, and I though wow! If they are not really into that scene, what I am looking for. To get a teaching job or what? No, it is hard everywhere but I am proud I did my best and I had made some beautiful projects and recordings in Vienna until 1998. Even later when I came back to Austria for some concerts like in February 1999 when I got the chance to play and record “Canzoniere Sacrale”, a commissioned composition or “Auftragskomposition” from the ORF (national radio) for the “Zeit-Ton Festival”. It was Mr. Giselher Smekal, at that time the head of the jazz section program, who gave me a chance to compose that piece, for small orchestra and jazz combo. And later I did some live recordings in Graz (November 2001) with Lee Konitz, or the jazz club Porgy & Bess (2002/3) with some other musicians, etc.

So, I started to re-discover the second Viennese school, Schonberg, Berg, Webern etc. I was listening to some great “opera house” shows and “Wiener Philarmoniker” concerts, and to some contemporary concerts at “Wien Modern” Festival. I played with some great Austrian musicians and I always have had my projects and also played my music in town and was jamming all over the place. So, at the end I am glad I was there for a few years and I still do have my best friends there. It is great, I love them and I cannot forget to mention that I got my Austrian citizenship in 1995. I got financial support for some projects and could travel all over since 1995. As they say, “Vienna is different” and it really is. I like it!

Cadence: One of the more interesting footnotes in your career is a duo performance with fellow saxophonist Archie Shepp for television in December of 2000. Can you talk about that gig.

N.S.: It was a funny story with Archie. As I said before, I started as a kid at the Brasov school of music, then at the same college and latter the Conservatory in Bucharest etc. So, in Brasov there has been a small jazz festival since 1981, lately with one or two jazz groups from abroad for a few years. So, in the last couple of years, I was invited there with my band and we went with some guest like Charlie Mariano on alto sax (1999), Lee Konitz (2001) etc.

For 2000, I had the chance to present my work “Canzoniere Sacrale” for symphony orchestra and jazz combo, where I was also conducting and playing my horns. A mixed piece of church music and contemporary jazz! I made the contact between the organizer and Archie, who I met a few times in Austria and Germany and everything went pretty smoothly until one day before the festival. When they were supposed to fly from Paris to Bucharest. It was a Saturday and at the airport, No Archie! Nobody from his band! I called him and figured out that he had a gig on Friday somewhere north of France, and they missed the morning plane from Paris.

Now, because Archie wanted to fly business class, he could change the ticket, but his band members could not, so what could I do? I just asked him to come alone, and we will figure it out later. Looked for a solution! I met him in the afternoon at the airport, we had a drive to Brasov, through the Carpathians Mountains, a nice area, Sinaia, Predeal….. etc. We got in around 6-7 o’clock in Poiana Brasov at the hotel a very nice sky area mountains all around, winter snow. Of course, he didn’t like the room, because he didn’t have a “bathtub”, so we changed to another hotel and he got that, but because after the concert we went to a restaurant and there was a session, we came back to the hotel at like 4 or 5 O’clock in the morning and at 8 he had to go to the airport. So, no time for laying back in the bathtub.

So we decided to play in duo because it was not a real good rhythm section on that day. We chose some standards and some Monk and Ellington tunes; one or two of his easy and simple songs, some freely improvised tunes, etc. We started with two tenors, then he was comping for me on the piano, then I was comping for him on the piano, back to two tenors and we made it. Actually, the beginning was a bit hard. But after 2-3 tunes everything went just great, relaxed and great playing!

I think he was afraid a bit because of that funny situation with the band not coming along because he didn’t know anybody except me in Romania, and maybe he thought about Dracula who lived around that area (there is still a castle in Bran) and I guess Archie remembered some movie scene with Dracula. So here we were, playing in Dracula’s land and the people were screaming, “come on Archie, we want to see some blood”. No, it was just a joke! We had big fun and the fairy tale will move that story around in a couple of years, saying something like, “Archie was there and met Dracula’s nephew, Nicolas Simion” ha….ha….ha!

Cadence: Certainly one of the gems of your recordings is “Nicolas Simion Group LIVE” (ORF #CD 295) the date that features Lee Konitz. What was it like to work with Konitz?

N.S: This was a great concert! I met Lee in Cologne, where he still has an apartment. I saw him once in awhile playing with some great people and I was thinking, why not do something with that great master? We were planning to go to Romania in 1999 for the festival in Brasov, but it took us another two years to really do it. So, I invited the 77 year old Jancsy Korossy (the greatest Romanian piano player who left the country in 1969) from Atlanta and we did a tour before we invited Lee to join us.

We played a concert in the club “”Loft” in Cologne and in the afternoon we recorded our program and Lee went for a few tunes and played with us. The same evening we took a train to Graz to play at “Stockwerk”, where the concert was broadcast by ORF. It was just fun, having the two masters with us, Peter Perfido on drums, James Singleton (a great guy from New Orleans on bass) and me.

We had a mixed program, some of Lee’s tunes, some of mine and some standards. And it was a big success there, jamming with Lee and Jancsy. There were a lot of students and the house was burning. Two years later ORF just released that recording and I have to say a big “thank you” to Otmar Klammer, the club owner from Graz, and especially to Mr. Herbert Uhlir, the head of the radio jazz department, who is a big jazz fan and friend of mine, “Hut ab” Herbert!

Playing with Lee was a real challenge, because he is very sensitive and he always likes to do good music, and not just jam and play for the money. So we were playing around him, supporting and really listening to what he played. And what he was looking for, which was being pretty interactive musically. It was a great lesson, just playing acoustic, no monitors, no hot chops and patterns etc., just music. Jancsy also, had a great night he was very appreciated by Lee, us and the audience. We also, went with Lee, actually last year, September 2004, into the studio here in Cologne and we did again some of his music and mine.

I like and respect him. He is one of the great masters, who really made a tradition of (a commitment to) being himself and keeping a high level in everything he played and recorded. Thank you Lee, you really inspire us all.

Cadence: You have a couple of recordings which explore more of your bop/hard-bop roots. One of these releases is a duet with pianist Yancy Korossy “Live In Transylvania” Portik Jazz “PR-01”.

N.S.: Yes it’s true! You do not always have the chance to record for big labels, but also, these small labels and young producers are helping a lot of musicians just to put out their music, and that’s great! Playing with Jancsy was a real dream. He was and still is a legend in Romania and in general he was very well known in Eastern Europe in the 50’s until the end of the 60’s. A great talent, a hard worker, practicing for hours every day and he’s done that for more than 70 years. His playing became more like singing, every note is a little pearl. His comping is like chamber music, counterpoint, impressionistic music, waves, orchestral sounds…..birds….everything.. A real inspiration for me since I first heard the recordings he did in Romania in the 60’s also, a bit difficult as a person. He could not accept playing everything and with everybody. He used to be a bandleader and actually a great solo pianist, always looking for something new, something else. Not repeating things he played before.

He made the bottom of the so called “Romanian jazz tradition”, introducing the folk music element in jazz, playing all kind of different styles, like pop tunes of the day, classical music themes, free improvised stuff, everything except rock & roll. He was a good friend of Richard Oschanitzky, another genius composer, piano player and arranger.

So, as you see, these two masters are my buddies, I was learning from them, from their music, recordings and scores. And I was trying to keep alive the spirit they put in their music. Jancsy was born on 26.12.1926 in Cluj, and we did our duo concert at the Philharmonie Hall in Cluj, so it was like coming home after a few decades. I am glad we went there and the producer, Mr. Keri Levente, is also a Romanian-Hungarian. So we somehow came together for this particular project. I hope that one day these recordings will be easier to get and become available…. Right now, Jancsy is living in Romania at least a few months a year.

We still have a bunch of tapes to be released one day! God bless him!

Cadence, December 2005
   
 
 
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